Die Elbe verdustet allmählich

29. Juli 2026 | Elbauen

Wo ist das Wasser der Elbe geblieben? Innerhalb von zehn Jahren fehlte den deutschen Elbe-Einzugsgebieten die Wassermenge des Bodensees.

Hungerstein an der Augustusbrücke in Dresden: "Wenn Du mich siehst, so denk daran: / Die Zeit der Dürre fängt nun an. / Das Wasser flach im Bett der Elbe / Welch Bild von Zeit zu Zeit aufs Selbe. / Die Hungersteine weit und breit. / Zum Klimaschutz ist's höchste Zeit!" Foto: Dr. Bernd Gross - CC BY-SA 3.0

Text von Wolf-Rüdiger Marunde

Wenn du dies siehst, weine“ steht auf „Hungersteinen“, die nur bei extrem niedrigen Wasserständen aus der Elbe auftauchen. Man sieht sie immer öfter – die Elbe verdurstet allmählich. 

Dafür verantwortlich sei der deutliche Temperaturanstieg seit den 80er Jahren, sagt Prof. Dr. Rinke, der an der BTU  Cottbus und dem Zentrum für Umweltforschung in Magdeburg forscht. Entscheidende Treiber des Wassermangels: Die steigende Verdunstung. Und die ausbleibenden Niederschlägen in den deutschen Einzugsgebieten der Elbe. Zwischen 2014 und 2023 fehlte so viel Wasser, wie der gesamte Bodensee enthält. Mit schwerwiegenden Folgen für die Grundwasserpegel: In Sachsen-Anhalt und Brandenburg zeige sich einen Rückgang von ca. einem Meter Im Zeitraum 2010-2020. Dazu kommt die Eintiefung der Flußsohle durch Strombaumaßnahmen für die Schifffahrt, die den ganzen Fluss im Verhältnis zum Umland tieferlegen. Die Auen vertrocknen. 

Weitere Hiobsbotschaften für die Elbe: Tschechien hat signalisiert, dass es künftig weniger Wasser die Elbe herunterlassen wird, weil man das kostbare Nass selbst benötigt. Und von dem, was dann noch übrig bleibt, soll ein Teil bei Dresden abgepumpt und in die ebenfalls an Wassermangel leidende Spree übergeleitet werden. Berlin droht sonst der Trinkwassernotstand. 

Trotzdem wollen einige Bundesländer, das Bundesverkehrsministerium, Wirtschaftsverbände und vor allem die Wasser- und Schiffahrtsverwaltung an der Güterschifffahrt auf der Elbe festhalten. Insbesondere der unordentliche Flussabschnitt zwischen Damnatz und Hitzacker – als „Reststrecke“ geschmäht – ist ihnen ein Dorn im Auge. Hier wollen sie eine Art Kanal in die Elbe einziehen. Mehr Wasser soll in die Flussmitte geleitet werden, schneller abfliessen, Sand abhobeln und die Sohle um 20cm vertiefen. Dann dürfte allerdings genau das eintreten, wovor Prof. Rinke gewarnt hat: Die Grundwasserspiegel rechts und links der Elbe werden entsprechend sinken, die Leben in den Auen weiter verdorren. Auch der Wissenschaftler plädierte im Beirat des Gesamtkonzeptes Elbe dafür, angesichts des Wassernotstandes „die Binnenschifffahrt auf der Elbe zu überdenken“. 

Die findet ohnehin kaum noch statt. Wenn doch, vor allem mit Tankern im Pendelverkehr zwischen Hamburg und Magdeburg. Für die gibt es mit dem Elbeseitenkanal eine ganzjährig nutzbare Alternative, die zudem noch kürzer ist. 

Jetzt muss es vielmehr darum gehen, Wasser auf natürliche Weise zurückzuhalten und den ökologischen Zustand des Flusses und seiner Auen zu verbessern. So wie es die europäische Wiederherstellungsverordnung eigentlich ohnehin verlangen. Das ist nicht nur besser für die Natur, sondern auch für die Landwirtschaft und den Tourismus.

Text von Wolf-Rüdiger Marunde (BUND Kreisgruppe Lüchow-Dannenberg)


Sinkende Grundwasserpegel und die fortschreitende Eintiefung der Flusssohle setzen den ohnehin nur noch fragmentarisch erhaltenen Auenlebensräumen stark zu. Genau hier setzt unser Interreg gefördertes grenzübergreifende Projekt „Elbauen – Labské luhy" an: Zwischen Dresden und Litoměřice soll durch die Anpflanzung auentypischer Gehölze, die Wiederanbindung von Nebengewässern und die Zurückdrängung invasiver Arten wird die Aue geschützt werden.

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