Elblachen: Zeugen der Flussbegradigung und Refugien der Artenvielfalt

02. Februar 2026 | Elbauen, Flüsse & Gewässer, Lebensräume

Am 2. Februar ist Welttag der Feuchtgebiete Dieses Jahr 2026 ist das Motto: „Feuchtgebiete bewahren – unser gemeinsames kulturelles und natürliches Erbe“

Die Elblache Laubegast bei Hochwasser (Foto: Victor Geißler

Artikel von Jörg Haucke (UZD)

Noch zu Beginn des 19. Jahrhunderts war die Elbe ein naturbelassener, unregulierter Strom, der sich nach Eisgang oder Hochwasser oft ein neues Bett suchte. Klippen, Stromschnellen und sich verlagernden Sandbänken. Die unbefestigten Ufer der Flusskrümmungen zeigten frische Abbrüche, an den Gleitufern breite Sand- und Kiesanlandungen, flache Wasserstellen – Furten- querten den Fluss an mehreren Stellen, oberhalb von Dresden z.B. bei Prossen, zwischen Königstein und Rathen und unterhalb von Pirna. Bis zum Ausbau kamen auf der Elbe Lastkähne mit ca. 50 Tonnen zum Einsatz, die durch Wind oder Muskelkraft (Treidelschifffahrt) angetrieben wurden (BÖHME). Im Stadtgebiet Dresdens war der Fluss damals etwa doppelt so breit wie heute und knietief. .

Der systematische Ausbau deutscher Ströme für die Binnenschifffahrt erfolgte nach der Neuordnung Mitteleuropas durch den Wiener Kongress 1821 und wurden zwischen den damals elf Anrainerstaaten in der Elbschifffahrtsakte unterzeichnet. In der 1844 verabschiedeten „Additionalakte zur Elbschifffahrtsakte von 1821“ erfolgte die Festlegung, dass die Elbuferstaaten – jeder für sein Gebiet – geeignete Maßnahmen zur Verbesserung der Fahrwasserverhältnisse umzusetzen und die Sicherstellung einer Mindesttiefe herzustellen hatten.

In Sachsen begann der Ausbau der Elbe 1850 und führten zu erheblichen Veränderungen der Flusslandschaft. Es wurden fortlaufende Elbdämme (keine Treidelpfade) als Parallelbauwerk angelegt. Diese engten den Strom ein und sicherten die Mindestwassertiefe. Die abgeschnittenen größeren Stromräume blieben als sogenannten Elblachen zurück – oft wassergefüllte Mulden, die nur bei Hochwasser überflutet werden. Ein Teil dieser Flächen wurde mit Material aus der Flutrinne verfüllt und mit Weiden bepflanzt. Die damals vorhandenen 18 Elbinseln wurden bis auf zwei (Pillnitz und Gauernitz) beseitigt, die Schiffsmühlen aufgekauft sowie die Sand- und Kiesbänke abgetragen (BÖHME). So verschwanden z. B. die „Strandfurth“ bei Königstein 1839 – 1842, die „Kuhfurth“ an der Saloppe 1867/68 und das „Scharfenberger Eck“ 1890.

Die Regulierungsmaßnahmen blieben nicht ohne Einfluss auf die Pflanzen- und Tierwelt. Besonders die Arten der Schotterfluren, des Röhrichts und die Laichkräuter der Elbe verloren einen Großteil ihrer natürlichen Lebensräume und fanden teilweise in den Elblachen Ersatzstandorte.
Die noch bestehenden Elblachen sind von hoher landeskultureller und ökologischer Bedeutung. Sie geben Zeugnis von der Elbregulierung im 19. Jahrhundert. Ihr besonderer Wert besteht darin, dass sie aktuell ein Rückzugsgebiet für viele gefährdete Tier- und Pflanzenarten der Elbe darstellen.

Jörg Haucke, UZD

 

Schutz der letzten Auenreste

Die heutigen Elblachen sind stille Zeugen eines tiefgreifenden Verlustes: Von den einst ausgedehnten Auenlandschaften an der Elbe ist heute nur noch ein Bruchteil erhalten. Heute setzt sich das grenzübergreifende Projekt „Elbauen – Labské luhy" für den Schutz und die Wiederherstellung dieser verbliebenen Lebensräume ein. Durch Pflanzaktionen auentypischer Gehölze, die Bekämpfung invasiver Arten und vielfältige Umweltbildungsmaßnahmen wird versucht, die Artenvielfalt zwischen Dresden und Litoměřice zu bewahren und zu fördern.

Weiterführende Literatur: Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina (2024), Online verfügbar: „Moore und Auen – Vom Wandel nasser Landschaften". Interaktives Dossier zu Klima, Wasserhaushalt und Biodiversität. 

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