Entfernung der Stockausschläge am größten Eschen-Ahorn in der Elblache
Ringeln ist die eine Sache, aber woher wissen wir eigentlich, ob es funktioniert? Bei unserem letzten Kontrolltermin in der Elblache Stetzsch stand deshalb nicht nur die Nachbearbeitung weiterer Bäume an, sondern vor allem die genaue Kontrolle im Mittelpunkt: Wie geht es den Bäumen, die wir im letzten Jahr geringelt haben und was können wir daraus über die Ringel-Methode lernen?
Warum ist Eschen-Ahorn invasiv?
Der Eschen-Ahorn stammt ursprünglich aus Nordamerika und wurde einst als schnellwüchsiger Zierbaum nach Europa gebracht. In unseren Auenwäldern hat er sich an manchen Standorten zum Problem entwickelt: Der Baum wächst schnell und bildet dichte Unterwuchsschichten, die typischen Auenarten verdrängen können. Damit der Weichholzauwald in der Elblache ihre natürliche Vielfalt behält, gehen wir gezielt durch Ringeln der Bäume gegen den Neophyten vor. Mehr zum Eschen-Ahorn und der Methode findest du hier
Ein voller Tag mit 17 Bäumen
In knapp sechs Stunden hat unser vierköpfiges Team 17 Eschen-Ahorne bearbeitet: 14 bereits geringelte Bäume wurden kontrolliert und vollständig nachgeringelt, drei weitere bisher unentdeckte Bäume in der Elblache neu erfasst und teilgeringelt. Dazu kam die mühsame, aber wichtige Arbeit, den massiven Wurzelaustrieb an einem besonders großen und hartnäckigen “Mutterbaum” sowie an einem zuvor gefällten Baum so weit wie möglich freizuschneiden. Für den Rest des Bestandes elbabwärts hat am Ende leider die Zeit nicht mehr gereicht. Es bleibt also Arbeit für einen weiteren großen Naturschutzeinsatz im Herbst!.
Der Beweis steht im Vergleich
Am spannendsten war für uns der direkte Vergleich zwischen den verschiedenen Bäumen im Gebiet. Ein gefällter Eschen-Ahorn, den wir vor rund zwei Monaten schon kontrolliert und dabei die Stockausschläge entfernt hatten, trieb erneut beeinrduckend kräftig ringförmig rund um den gesamten Stammfuß aus. Die geringelten Bäume dagegen? Zeigten fast durchweg nur wenig bis gar keinen Stockausschlag. Genau das ist der Effekt, den die Methode erzielen soll: Statt mit aller Kraft neu auszutreiben, gibt der Baum durch den langsamen Nährstoffentzug allmählich auf.
Eine Skala für die Kronen
Damit wir diesen Effekt nicht nur "nach Gefühl" beurteilen, haben wir die Kronen von einigen geringelten Bäume nach der sogenannten Roloff-Skala bewertet - einem etablierten Verfahren, das den Vitalitätszustand eines Baumes anhand seiner Krone einordnet, von "voll vital" bis "abgestorben". Unsere geringelten Bäume lagen im Bereich "Resignation" bis "Stagnation" - erkennbar an lichteren Kronen und vorzeitig gelb gewordenen, abfallenden Blättern. Genau der Zustand, den wir nach einem Jahr erwarten würden.
Eine letzte Kraftanstrengung
Eine Beobachtung hat uns aber besonders überrascht: Mehrere der bereits deutlich geschwächten Bäume trugen auffällig viele Früchte. Das ist kein Zufall, sondern ein bekanntes Phänomen bei gestressten Bäumen, das man als "Notfruchtung" bezeichnet: Kurz bevor der Baum aufgibt, investiert er nochmal alle verbliebene Energie in die eigene Fortpflanzung - quasi ein letzter Versuch, sich über Nachkommen fortzupflanzen, bevor es zu spät ist. Für uns heißt das: Bei solchen Bäumen lohnt sich künftig ein genauer Blick, ob wir die Fruchtstände vorsorglich entfernen sollten, damit daraus nicht gleich die nächste Generation Eschen-Ahorn keimt.
Wie es weitergeht
Der Bestand elbabwärts wartet noch auf uns, ebenso eine erneute Kontrolle der freigeschnittenen Stammfüße und der Kronen im Herbst. Nachkontrolle ist eben kein einmaliges Abhaken, sondern ein fortlaufender Prozess. Wie an dem einen gefällten Baum aber sichtbar, wäre die Alternative zum Ringeln deutlich aufwendiger!
Die Naturschutzeinsätze in der Elblache Stetzsch sind Teil unseres Engagements im grenzübergreifenden Interreg-geförderten Elbauenprojekt. Die regelmäßigen Arbeiten tragen dazu bei, den wertvollen Weichholzauenwald zu erhalten. Nur eine intakte Auenlandschaft kann ihre wichtigen Funktionen für Hochwasserschutz, Biodiversität und Erholung erfüllen.
Du möchtest bei unserer nächsten Aktion dabei sein? Schreib uns gerne eine E-Mail an naturschutz(at)bund-dresden.de oder unterstütze unsere Arbeit mit einer Spende an die Regionalgruppe des BUND Dresden.