Regionalgruppe Dresden

Absage wegen Corona: “Woche des guten Lebens” findet nicht statt

20. April 2021 | Mobilität, Klimawandel

© BUND Dresden // Ronny Rozum

Die „Woche des guten Lebens“ muss abgesagt werden. Das Projektteam hat sich lange bemüht, das geplante Verkehrsexperiment trotz der schwierigen Bedingungen im Einklang mit den Auflagen der sächsischen Corona-Schutzverordnung durchzuführen. Die Genehmigung der Stadtverwaltung liegt seit dem 19. März vor, alle Vorbereitungen von Seiten des Projektteams waren getroffen. Gerade erst wurden Anwohnende und Gewerbetreibende in der Äußeren Neustadt durch ein Infoblatt vom Projektträger BUND Dresden über die „Woche des guten Lebens“ und die damit einhergehenden Regelungen informiert. Doch in Hinblick auf die steigenden Neuinfektionen ist nun klar: Die Coronaregelungen lassen es nicht zu, sich ohne Gesundheitsgefährdung gesammelt im Straßenraum aufzuhalten, geschweige denn Aktivitäten in Parklücken nachzugehen. 

In Abstimmung mit der Stadtverwaltung sieht das Projektteam demnach davon ab, vom 2. bis 9. Mai den verkehrsberuhigten Bereich mit Parkverbot rund um die Louisenstraße einzurichten und sagt das Verkehrsexperiment ab. „Ziel des Projekts war immer, auf der Straße mehr Platz für Menschen zu schaffen, den sie gemeinsam gestalten und nutzen können. Da explizit keine Veranstaltung geplant war, hegten wir lange die Hoffnung, dass durch mehr Platz auf der Straße zumindest Raum für mehr Begegnungen mit Abstand geschaffen werden könnte. Doch auch das ist mit den inzwischen geltenden Kontakt- und Aufenthaltsbeschränkungen unvereinbar“, erklärt Jutta Wieding, Vorsitzende des Projektträgers BUND Dresden. “Corona-Regelungen haben wir selbstverständlich immer ernst genommen - Gesundheitsschutz geht vor”. Der “Woche des guten Lebens” ergeht es damit wie den vielen Dresdner Großveranstaltungen, die im letzten und in diesem Jahr aufgrund von Corona abgesagt werden müssen.

“Dass das Verkehrsexperiment nun doch nicht stattfinden kann, nachdem es alle Hürden genommen hat, ist ein harter Schlag für uns. Die jahrelange Arbeit und Kreativität hunderter Ehrenamtlicher steckt in diesem Projekt. Wir können gar nicht ausdrücken, wie sehr wir die Absage bedauern”, sagt Judith Kleibs, Projektkoordinatorin der “Woche des guten Lebens”. Das Verkehrsexperiment wurde bereits 2020 wegen der Corona-Pandemie auf diesen Mai verlegt. Eine weitere Verschiebung ist nicht möglich, da die “Woche des guten Lebens“ als eines von acht Dresdner Zukunftsstadtprojekten eine begrenzte Laufzeit und begrenzte Mittel hat.

Dennoch plant das Projektteam in der ersten Maiwoche Angebote zum Thema Verkehrswende: Viele Dresdner Vereine und Initiativen werden vom 2. bis 9. Mai digitale Vorträge und Workshops zu nachhaltiger Mobilität, partizipativer Stadtgestaltung und nachbarschaftlichem Engagement anbieten. Auch die Freiluftausstellung auf dem Martin-Luther-Platz wird vorbehaltlich aktuell noch nicht abzuschätzender Corona-Auflagen zu sehen sein. „Die Verkehrswende bleibt für die Äußere Neustadt wie auch für ganz Dresden ein wichtiges Thema. Darauf wollen wir mit der Freiluftausstellung und der Veranstaltungsreihe hinweisen“, sagt Jacqueline Griesbach, ebenfalls Projektkoordinatorin der „Woche des guten Lebens“. Die Ausstellung soll mit den bereits für das Projekt gebauten Parklets und Hochbeeten sowie Entwürfen von Studierenden der TU Dresden zeigen, wie der öffentliche Raum als Aufenthaltsort und für die Nutzung emissionsarmer Mobilitätsformen gedacht werden kann.

Obwohl die finale Durchführung nicht möglich ist, hat das Projekt einen entscheidenden Beitrag zur Debatte um eine Verkehrswende in Dresden geleistet und die Diskussion um die Umgestaltungspläne der Louisenstraße vorangebracht. Der BUND Dresden zeigt sich außerdem offen für einen neuen Anlauf: „Die ‚Woche des guten Lebens‘ hat sehr viel bewegt und viel Zuspruch erfahren. Sollten sich neue Fördermöglichkeiten auftun und das Engagement weiterhin so groß sein, ist es durchaus möglich, das Verkehrsexperiment nach der Pandemie erneut zu starten - das fertige Konzept liegt in der Schublade“, so Jutta Wieding. Auch der Stadtbezirksbeirat und das Stadtbezirksamt Neustadt signalisierten Offenheit für eine Neuauflage. Das Projektteam ist zudem im engen Kontakt mit der Stadtverwaltung und der Begleitforschung, um die Erfahrungen, die im Genehmigungsverfahren des Verkehrsexperiments gewonnen wurden, zu sammeln und zu sichern. Die Erkenntnisse werden dokumentiert und zugänglich gemacht. Eine gemeinsame Pressekonferenz mit der Landeshauptstadt Dresden ist für Ende April geplant.

Das Projektteam dankt allen Bündnispartnern und Befürwortern und den mehr als 100 ehrenamtlichen Helfern, die in den vergangenen Jahren die „Woche des guten Lebens“ unterstützt und damit gezeigt haben, dass ein solches Projekt in Dresden möglich ist. Bei aller Skepsis und Kritik, die dieses Projekt im Prozess erfahren hat, zeigt der noch größere Zuspruch, dass die Dresdner Stadtbevölkerung offen für Wandel ist.

 

PRESSEKONTAKT

Projektkoordinatorinnen:

Jacqueline Griesbach/Judith Kleibs

presse(at)wochedesgutenlebens.de

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