Was sind Auen?

Denken wir an einen Fluss, haben wir meist einen fließenden Wasserstrom vor Augen, der sich durch die Landschaft schlängelt. Aber ein Fluss ist weitaus mehr: Zu ihm gehört natürlicherweise untrennbar auch die Aue. Auen sind Bereiche, die vom Hochwasser des Flusses erreicht werden. Somit sind sie ein zeitweise nasser und trockener Teil des Flussbettes. Bei Überflutungen hebt die Kraft des Wassers mancherorts Sand und Lehm aus dem Fluss und lagert ihn an anderen Stellen wieder ab. Dadurch entsteht die vielfältig gestaltete Flussaue, die auch heute noch im ständigen Wandel ist – ein Mosaik aus besonderen Lebensräumen für zahlreiche Pflanzen und Tiere. Diese Lebensräume können auf sehr engem Raum temporär ganz trocken bis extrem nass sein. Die schematische Übersicht einer Aue im norddeutschen Tiefland zeigt beispielhaft diese Zonen.

 

DIE VIELFALT DER AUENLANDSCHAFT:  

ALTWÄSSER: 

Vom Fluss abgetrennte, flache Seitenarme. Sie sind stehende Gewässer und werden nur bei Hochwasser überschwemmt. In Mitteleuropa gehören sie zu den artenreichsten Gewässern. Für den Hecht oder den selten gewordenen Schlammpeitzger sind sie die idealen Kinderstuben.  

AUENWIESEN: 

Ursprünglich durch Rodung des Auenwaldes entstanden. Sie werden regelmäßig überflutet und bieten Pflanzen wie dem Langblättrigen Ehrenpreis ein optimales Zuhause. Auch die selten gewordene Gewöhnliche Brenndolde wächst hier. Verschiedene Amphibien, Schmetterlinge, Heuschrecken und Vögel wie der gefährdete Große Brachvogel, der Weißstorch und Kiebitz finden hier Nahrung und Lebensraum. Im Schilf kann mit Glück die Rohrammer entdeckt werden, die dort nach Samen, Insekten und Würmern sucht.  

WEICHHOLZAUENWALD: 

Wächst am Flussufer und wird häufig für längere Zeit überschwemmt, bis zu 200 Tage im Jahr. Pflanzen, die gerne "nasse Füße" bekommen, fühlen sich hier besonders wohl. Dazu zählen Weide, Pappel und Erle, aber auch Gräser wie das Rohrglanzgras. 

HARTHOLZAUENWALD: 

Wächst weiter entfernt vom Fluss in höher gelegenen Bereichen. Hier ist der Boden etwa 100 Tage im Jahr überflutet, kann aber in den übrigen Zeiten relativ trocken werden. Durch den Wechsel zwischen nass und trocken bietet dieser Wald verschiedensten Tieren und Pflanzen ein Zuhause. Er gehört zu den artenreichsten Lebensräumen Mitteleuropas. Flatterulme, Stieleiche und Wildapfel sind typische Bäume. Beliebt ist er auch bei Libellen, Schmetterlingen, Käfern und Vögeln wie dem selten gewordenen Mittelspecht.  

INTERESSANT: 

Der Biber ist ein wichtiger Bewohner der Auen. Mit seinen Dammbauaktivitäten schafft er neue Lebensräume und trägt zur natürlichen Dynamik der Flusslandschaft bei.  

Der Schlammpeitzger, ein Bewohner der Altwässer, wird regional auch "Furzgrundel" genannt, weil er Luft schlucken und diese bei Bedrohung über den Anus wieder abgeben kann - eine besondere Anpassung an sauerstoffarme Gewässer.

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