Zukunftsbild Postplatz - eine Vision für Dresden

Wenn wir uns Dresden im Jahr 2045 vorstellen, sind Straßen und öffentliche Orte kühlen Oasen, an denen sich Anwohnende und Besuchende begegnen und den Feierabend gemeinsam genießen können. Hier treffen sich alle Generationen zu Austausch und Miteinander. Große Bäume spenden Schatten, begrünte Dächer und Fassaden senken die Temperaturen, Trinkbrunnen sorgen für Erfrischung. Regenwasser wird gespeichert und in Trockenzeiten für Stadtbäume und Grünanlagen genutzt. Die Temperaturen in Innenräumen bleiben angenehm, und durch ihr Mikroklima kühlt die Stadt über Nacht ganz natürlich ab.
Nach Dresden kommt man nun wegen des guten Klimas und auch zum Durchatmen. Die vielen begrünten Fassaden schützen nicht nur vor Hitze, sondern verbessern auch die Luftqualität. Grünen Strom hat Dresden ausreichend. Erneuerbare Energien von Dächern und Fassaden wandeln das Mehr an Sonnentagen effektiv in Energiewohlstand um, während Parks und Sportflächen für Dresden als Schwämme arbeiten, die bei Starkregen überschüssiges Wasser aufnehmen und die Stadt vor Überflutungen schützen.
Dieses Dresden ist nicht nur grüner, sondern auch resilienter. Als Stadtgesellschaft nutzen wir die vielfältigen Fähigkeiten der Natur für Gesundheit, Versorgungssicherheit, Lebensqualität und letztlich auch für ökonomische Innovationskraft. Wir bauen wieder mit der Natur, nicht länger gegen sie. Und die Natur liefert – rund um die Uhr, jeden Tag, unentgeltlich.
Unsere Vision für Dresden ist deshalb keine Vision des Verzichts. Im Gegenteil: Sie schöpft die Potenziale unserer Stadt voll aus, bereichert sie und bewahrt zugleich alles, was Dresden ausmacht und zu bieten hat.

Aus diesen Ideen haben wir gemeinsam mit verschiedenen Initiativen sowie auf wissenschaftlichen Grundlagen der TU Dresden und des Leibniz-Instituts für ökologische Raumentwicklung ein Zukunftsbild des Postplatzes entwickelt. Es zeigt, wie eine solche Stadt aussehen kann, und gründet sich auf elf einzelne, bereits heute umsetzbare Handlungsfelder. Es handelt sich dabei nicht um einen konkreten Plan, sondern vielmehr um eine Vision, die dazu anregen soll, darüber nachzudenken, wie wir unsere Stadt schon heute gestalten können, um auch in Zukunft gut bestehen zu können.

 

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Vorstand BUND Dresden

Florian Wendler


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Referentin für Öffentlichkeitsarbeit

Mona Ohlendorf


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Impulse für zukünftige Stadtentwicklung:

1 - Außenliegender Sonnenschutz der Fenster

Der außenliegende Sonnenschutz ist eine der effektivsten Möglichkeiten um, v.a. bei großen Fensterflächen, die Hitzebelastung in Gebäuden zu reduzieren und die Raumtemperaturen um mehrere Grad Celsius zu verringern. Kombiniert mit Dünnschicht-Photovoltaikmodulen können diese zugleich zur Stromerzeugung genutzt werden.

2 - Erneuerbare Energien in der Stadt

Strom kann in der Stadt durch Nutzung der Dachflächen über Photovoltaikelemente erneuerbar erzeugt werden. Wie an diesem Beispiel zu sehen ist, können diese vom Design her auch so gewählt werden, dass sie die bestehende Gebäudeansicht nicht wesentlich verändern."

3 - Rasengleise

Grüne Straßenbahngleise fördern die Versickerung von Regenwasser und tragen so zu einem nachhaltigen Wassermanagement bei. Gleichzeitig sorgen die Grasflächen für eine effektive nächtliche Abkühlung und erhöhen die Zufuhr kühler Luft ins Stadtquartier. Sie mindern Lärm durch die Schalldämmung der begrünten Flächen und schaffen gleichzeitig Lebensräume für zahlreiche Pflanzen- und Tierarten, wodurch die Biodiversität in urbanen Räumen gesteigert wird.

4 - Künstliche Nisthilfen

Damit die Stadt auch für Tiere ein Lebensraum sein kann, müssen neben Nahrungsquellen auch Nistmöglichkeiten vorhanden sein. Künstliche Niststrukturen an Fassaden oder auf Dächern können das Angebot für viele Tierarten verbessern und damit auch die Biodiversität und ein natürliches Gleichgewicht unter den Arten stärken. Insbesondere für Wildbienen, Fledermäuse und Vögel gibt es bereits hochwertige Lösungen, die in die Fassade intergiert werden können.

5 - Spielplätze mit Trinkbrunnen und Toiletten

Spielplätze mit Sitzgelegenheiten, Toiletten und Trinkbrunnen schaffen inklusive Orte, die allen Menschen Zugang zum öffentlichen Raum ermöglichen und so die Teilhabe unabhängig von Alter, Herkunft oder Einkommen fördern. Sie erfüllen grundlegende menschliche Bedürfnisse kostenfrei und stärken dadurch soziale Gerechtigkeit und Lebensqualität im urbanen Raum. Zudem fördern sie die Begegnung zwischen verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen, was den sozialen Zusammenhalt in der Stadt stärken kann.

6 - Essbare Stadt

Essbare Elemente wie z.B. Obstbäume im öffentlichen Raum fördern das Bewusstsein für Saisonalität und machen sichtbar, wie Lebensmittel wachsen. Sie fördern die Verbindung der Stadtbevölkerung zum Lebensmittelanbau und zur -produktion und sensibilisieren für einen nachhaltigen Umgang mit natürlichen Ressourcen. Die Essbare Stadt trägt zur Klimaanpassung bei, indem begrünte Flächen das Stadtklima regulieren, Wasser speichern und die Biodiversität erhöhen. Gleichzeitig schafft sie inklusiven Raum für Gemeinschaft, Bildung und Teilhabe.

7 - Dach- und Fassadengrün

Dach- und Fassadenbegrünung haben neben der Hitzeschutzwirkung - sowohl im Freiraum als auch im Gebäude - weitere wesentliche positive Eigenschaften für den Natur-, Umwelt- und Ressourcenschutz. Dies sind zum Beispiel lokaler Rückhalt von Regenwasser, Filterung von Luftschadstoffen, Erhöhung der Biodiversität oder die gemeinschaftliche Nutzung als Dachgärten.

8 - Flächen für Regenwassermanagement

Häufigere und heftigere Starkregenereignisse sind ein zunehmendes Risiko des Klimawandels. Die Kanalisation oder Elemente zur Verdunstung oder Versickerung sind oft nicht in der Lage, die Wassermengen in so kurzer Zeit abzuführen. Für solche Ereignisse muss eine Schwammstadt Rückhalteräume bereitstellen, die größere Menge Regenwasser schadlos für einige Tage speichern können. Ideal dafür sind multifunktional nutzbare Räume wie tiefergelegte Parks, Sportplätze oder auch Skatebahnen. In den Phasen ohne Starkregeereignis ist hier ungestörte Freizeitnutzung möglich.

9 - Bäume

Urbanes Grün ist sowohl über die Tages- als auch die Nachtzeit betrachtet ein wirksamer Hitzeschutz. Vor allem tagsüber erhöhen Bäume mit ausladenden Baumkronen die Aufenthaltsqualität an heißen, strahlungsreichen Sommertagen, da sie die gefühlte Temperatur insbesondere wegen ihrer Schattenwirkung um über 10 Grad Celsius verringern. Bäume dienen außerdem als Staubfilter und als Lebensraum für Tiere.

10 - Regenstele – Wert des Regenwassers ins Bewusstsein bringen

Mit dem Fortschreiten des Klimawandels werden wir mit länger anhaltender Trockenheit rechnen müssen. Regenwasser ist bereits heute wertvoll – zumal der Erhalt und die Vitalität des öffentlichen Grüns von einer gleichbleibenden Bewässerung abhängen. Die Regenstele visualisiert die Regenmenge anschaulich und hebt den Wert öffentlich hervor. Zugleich bietet die Stele die Möglichkeit, Niederschlagswasser zeitweise zu speichern und später zur Bewässerung des öffentlichen Grüns zu nutzen.

11 - Verkehr

In der Vision ändert sich der Mobilitätsmix am Postplatz zu mehr ÖPNV, Radnutzung sowie Fußverkehr. Dazu wird die Infrastruktur um den Postplatz zu Radfahrstraßen umgebaut – gut sichtbar blau gefärbt. Die Straßenbahnen fahren auf Rasengleisen und durch die Verkehrsberuhigung und die Umgestaltung des Platzes sind auch Wege zu Fuß deutlich angenehmer. Lieferverkehr und Rettungsdienste können diese Wege natürlich weiterhin nutzen. Der Platz ist barrierearm passierbar und bietet Orientierung.

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Hinter dieser Vision stehen zivilgesellschaftliche Akteur:innen wie der BUND Dresden (Projekt Biodiverse Schwammstadt Dresden) und die Lokale Agenda Dresden, gemeinsam mit Wissenschaftler:innen der Technischen Universität Dresden (TUD) und des Leibniz-Instituts für ökologische Raumentwicklung (IÖR). Der Verein Reinventing Society und die Agentur loomn haben die Ideen grafisch umgesetzt. Das Ausgangsfoto vom Postplatz hat Sebastian Weingart aufgenommen.

Hier lässt sich das Ausgangsfoto 2024 mit der Vision 2045 vergleichen - betätige den Schieberegler.

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