Regionalgruppe Dresden

Buchvorstellung von Ernst Paul Dörfler zum Thema „Nestwärme. Was wir von Vögeln lernen können“

Im Rahmen unseres Aktiventreffens am 28. Februar 2019 stellte der vielfach ausgezeichnete Naturschützer Ernst Paul Dörfler sein kürzlich im Hanser-Verlag München erschienenes Buch „Nestwärme“ vor.

Nestwärme von Ernst Paul Dörfler ©Hanser Verlag München

In seinem neuen Buch erläutert Ernst Paul Dörfler neue wissenschaftliche Erkenntnisse, die deutlich machen, dass Vögel viel mehr mit dem Menschen gemein haben als auf den ersten Blick erkennbar ist.

Nicht nur das, in vielen Fällen können Vögel als Vorbild für uns dienen. Dazu gehören beispielsweise  ein gesunder, naturgemäßer Lebensstil, die Beachtung natürlicher Biorhythmen, regionale und saisonale Ernährung, faire partnerschaftliche Beziehungen, soziales Engagement, Gewaltverzicht, klimaneutrale Mobilität und vieles andere mehr.

Partnerschaft und Werbestrategien von Vögeln

Ernst Paul Dörfler gab den Zuhörer*innen einen Einblick in die Partnerwahl und Werbestrategien von Vögeln. Dabei stellte er heraus, dass das Vogel-Männchen über eine Vielzahl von Strategien verfügt, um potentielle Partnerinnen auf sich aufmerksam zu machen. Dazu gehören Gesang sowie prächtiges Gefieder.

Der Spatz beispielsweise stellt offen seine Statussymbole zur Schau um Weibchen zu werben. Ein großer schwarzer Latz und ein schwarzer Schnabel zeugen nicht nur von Pracht, sondern signalisieren dem Weibchen auch, dass das Männchen gesund ist und sich somit für die Paarung eignet.

Einige Vögel machen sich Geschenke, darunter sogar „Immobilien“ (Nester). Das Zaunkönig-Männchen baut bis zu sechs Nester aus Moos um das Weibchen zu beeindrucken. Der schwarze Milan macht Nester aus Plastikfetzen. Je mehr Plastik er gehortet hat, desto höher steht er in der Hierarchie – und desto beliebter ist er beim Weibchen.

Nestwärme

Wenn sich Männchen und Weibchen gefunden haben – was im Vogelreich übrigens nur mit Einverständnis beider Partner möglich ist – geht es an den Nachwuchs. Ernst Paul Dörfler gab dabei einen spannenden Einblick in die Kommunikation zwischen Eltern und Küken. Beispielsweise unterhalten sich Zebrafinken bereits vor dem Schlüpfen mit ihrem Nachwuchs. Durch die Eierschale können die Eltern den Küken Informationen zum Wetter geben. Die Küken können daraufhin ihr Wachstum anpassen, um nach dem Schlüpfen möglichst gut für das Leben gerüstet zu sein. 

Insektensterben – eine große Bedrohung

Ein großes Problem für Vögel – und viele andere Tiere – stellt das Insektensterben dar. So sei der Bestand der Insekten in den letzten drei Jahrzehnten um 80 Prozent zurück gegangen. Das hat fatale Auswirkungen, da Jungvögel sich vorwiegend von Insektenbrei ernähren. Aus diesem Grund sind bereits viele Vogelarten bedroht. Besonders akut ist die Lage für Feld- und Wiesenvögel wie die Feldlerche. Ihr Bestand ist in den letzten Jahren um 56 Prozent zurückgegangen.

Trotz – oder gerade wegen - dieser dramatischen Entwicklung gibt Ernst Paul Dörfler Anstöße zum Handeln. So könne jeder etwas tun, um das Insektensterben aufzuhalten. Ihr Garten sollte beispielsweise möglichst rund um das Jahr blühen, um eine Nahrungsquelle für Insekten darzustellen. Doch auch für Wiesen und Felder müsse dringend etwas getan werden. Dörfler ruft Konsument*innen dazu auf, möglichst ökologische Nahrungsmittel zu kaufen. Zusätzlich müsse sich in der Politik vieles ändern. Um die Artenvielfalt zu schützen, müssten Bio-Lebensmittel günstiger sein als konventionelle, da diese unsere Lebensgrundlage zerstören.

Über den Autor

Ernst Paul Dörfler, geboren 1950 in Kemberg bei Lutherstadt Wittenberg, ist promovierter Ökochemiker und leidenschaftlicher Vogelliebhaber. Sein Buch „Zurück zur Natur?“ (1986) wurde zum Kultbuch der ostdeutschen Umweltbewegung. Er wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, darunter mit dem EURONATUR-Preis der Stiftung Europäisches Naturerbe, den auch Jonathan Franzen erhielt.

Mehr spannende und überraschende Einblicke zum geheimen Leben der Vögel gibt es im Buch „Nestwärme“, erhältlich beim Hanser Verlag München.

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