Regionalgruppe Dresden

Reclaim the Streets

Mehr Platz für Menschen, weniger Flächen für parkende Autos!

Das Projekt „Reclaim the Streets“ wurde im Rahmen der Zukunftsstadt Dresden 2022 an den BUND als Trägerverein herangetragen. Ziel des Projektes ist es, Menschen zu ermutigen, sich mit Ideen für eine gerechtere, lebenswerte und nachhaltigere Gestaltung des öffentlichen, innerstädtischen Straßenraums auseinanderzusetzen. Das bedeutet den Status quo der Dominanz von Fahrzeugen des motorisierten Individualverkehrs nicht länger als alternativlos hinzunehmen. Es bedeutet, gemeinsam mehrwertstiftende Ideen zu entwickeln, wie vielfältig der Straßenraum genutzt werden könnte, wenn dieser nicht mehr großflächig von parkenden Autos blockiert ist. Expertise beizusteuern, wie erste Ideen innerhalb der Restriktionen des Status quo bereits verwirklicht werden können. Mit anzupacken, wenn es im Projekt darum geht, einen Entwurf zu verwirklichen und auf die Straße zu bringen, um dort für Aufmerksamkeit zu sorgen.

Um möglichst ohne Sondergenehmigung eine dauerhafte Umnutzung einzelner Parkflächen zu ermöglichen, war die Idee des Projekts, die Umsetzungspläne auf einem PKW-Anhänger zu verwirklichen. Diese dürfen am Straßenrand theoretisch 14 Tage am selben Ort stehen, ehe lediglich ein Umparken erforderlich wird. Im Zuge der Umsetzungskonkretisierung stellte sich jedoch heraus, dass eine solche Zweckentfremdung im Dresdner Verkehrsraum nicht ohne Sondernutzungserlaubnis zulässig ist. Diese wurde uns allerdings für alle bisher beantragten Aufstellorte erteilt.

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Hintergrund

Eine städtische Straße, die links und rechts mit Autos vollgeparkt ist BUND Dresden

In Stadtteilen wie der Äußere Neustadt wird das Straßenbild stark von parkenden Fahrzeugen dominiert. An den Straßenrändern konkurrieren Fußgänger, Kinderwagen, parkende Fahrräder, eScooter und Gastro-Außenflächen um schmale Fußwege. Auf den engen Straßen ist oft kaum genug Platz, dass Radfahrende und entgegenkommende PKW passieren oder den Mindestabstand einhalten können. Der komplette Straßenraum ist asphaltiert oder zugepflastert. Bäume oder Bepflanzungen, welche positiv zur Luft- und Lebensqualität beitragen würden, sucht man in den Straßen oft vergebens, genauso wie ausreichend öffentliche Sitzgelegenheiten zum Verweilen und sozialem Interagieren.

Kontakt

Catrin Weyers und Erik Berendes

Projektverantwortliche
Kamenzer Straße 35 01099 Dresden E-Mail schreiben

Kernidee

Anselm Wohlfahrt

Das Projekt adressiert die genannten Missstände, indem es zur Umnutzung der beparkten Straßenflächen anregt. Konkret sollte ein Anhänger als Demonstrationsplattform (mobiles Parklet) für verschiedenste mehrwertstiftende Nutzungsmöglichkeiten des Parkraums ertüchtigt werden. Das mobile Parklet wird am Straßenrand abgestellt und kann dort von den Menschen genutzt werden bzw. lädt niederschwellig zur Diskussion über die Zukunft des öffentlichen Raums ein. Der Anhänger wurde als notwendiges Vehikel erachtet, um den Parkraum im Rahmen der Stvo vom bisherigen Primärzweck (Abstellen des PKW) ohne Sondergenehmigung zweckentfremden zu dürfen. Beispielsweise könnte dieser Raum für Pflanzen, Sitzmöglichkeiten und Fahrradstellplätze bieten, die von allen Vorbeikommenden genutzt werden können.

Das Projekt wird gefördert durch

Gelbes Ortseingangsschild mit der schwarzen Aufschrift: Zukunftsstadt Dresden.

Projektablauf

Eine Holzkonstruktion wird von einer FRau bearbeitet BUND Dresden | Erik Berendes

Antrag & Bewilligung

Im Rahmen der Zukunftsstadt Dresden wurde das Projekt Anfang Februar 2022 beantragt. Der Zuwendungsbescheid erreichte uns Anfang Juni und damit knapp 2 Monate nach dem ursprünglich geplanten Projektstartterminen der Stadt Dresden.

Planungsphase

So vielfältig die Ideen zur Umgestaltung des Parkanhängers zu einer von der Öffentlichkeit nutzbaren Gemeinschaftsfläche sind, genauso vielfältig sind die, insbesondere rechtlichen, Herausforderungen, die uns im Rahmen dieses Projekts begegnen. Der öffentliche Raum muss sicher gestaltet werden und dies muss auch für den Umbau und die Nutzung des Hängers beachtet werden. Wir konsultierten daher u.a. Sachverständige für Fahrzeugsicherheit (DEKRA), Sachverständige für Spielplatzsicherheit, Anwälte, Versicherungen, das Ordnungsamt sowie das Straßen- und Tiefbauamt, Materialdepots, Holzhändler, Baumärkte, Parklet-Projekte aus anderen Städten und passten das Projekt an die geltenden Randbedingungen an.

Sondergenehmigung: Bei Projektbeantragung interpretierten wir die Berechtigung der PKW-Anhänger, welche nach StVO die Legitimation zum Parken im öffentlichen Straßenraum für bis zu 14 Tage am selben Ort besitzen, als Möglichkeit den Anhänger auf beliebigen Parkflächen aufstellen zu können, ohne dass eine Sondergenehmigung erforderlich wird. Dies gilt jedoch nur für das temporäre Parken, also der Zeitraum zwischen zwei Nutzungsereignissen. Findet dagegen die Nutzung während des Parkens statt bzw. stellt dies ggf. auch den Primärzweck dar, ist eine Sondernutzungserlaubnis der Stadt Dresden erforderlich. Diese haben wir für mehrere Orte beantragt und erhalten.

Der Anhänger wurde gebraucht erworben und wurde aus Leipzig überführt (daher auch das L-Nummernschild). Wir hätten prinzipiell eher Tieflader wegen der geringen Höhe präferiert. Diese sind aber für viele Parklücken der Neustadt zu breit. Daher ist der Hochlader mit 4x1,75m Ladefläche ein akzeptabler Kompromiss.

Der Aufbau wurde entsprechend der eigenen und an uns herangetragenen Ideen sowie auf Basis der verfügbaren Baumaterialen als 3D-Modell entworfen. Insgesamt ist das Parklet als begrünte Sitzgelegenheit konzipiert. Ein robuster, zweistufiger Pflanzbereich stellt eine massive Abgrenzung zur Straße dar. Vier, so niedrig wie möglich konzipierte, Sitzmöglichkeiten sollen direkt vom Fußweg erreichbar sein. Ziel war es möglichst keine Anreize zum Stehen auf der Parkletfläche zu schaffen, um das Sturzrisiko zu minimieren, ohne auch die Fußwegseite mittels Geländer sichern zu müssen. Die Sitzgelegenheiten und der Tisch können demontiert werden, sodass bei Bedarf z.B. eine Minibühne entsteht. Die Entfernung des restlichen Aufbaus ist aufwändiger aber Aufgrund des modularen Aufbaus prinzipiell ohne Komplettzerlegung möglich.

 

Bauphase

Anfang August wurde mit der Umsetzung auf dem Gelände des Konglomerat e.V. begonnen. Die relativ zentrale Lage, die gut ausgestatte Holzwerkstatt und der Stellplatz direkt an der Laderampe sind wesentliche Gründe, welche die Umsetzung innerhalb nur eines Monats ermöglichten (primär nach Feierabend). Ziel war es Anfang September den Anhänger auf die Straße zu bringen, um noch ein paar Spätsommertage für die Nutzungsphase mitzunehmen. In Anbetracht des Zeitdrucks haben wir uns bei der Auswahl der Baumaterialen primär auf Baumarktware konzentriert, da dies in den Punkten Verfügbarkeit, Planbarkeit, Auswahl, Qualität und Preis den besten Kompromiss darstellte.

Am 2. September wurde der Aufbau dann von der DEKRA geprüft und für gut befunden. Der Aufbau konnte damit in die Fahrzeugpapiere eingetragen werden, sodass wir das mobile Parklet ganz offiziell und mit eigenem Versicherungsschutz im Straßenverkehr bewegen können =)!

Danken möchten wir auch allen Menschen, die Unterstützung angeboten und/oder aktiv mitgewirkt haben.

 

Nutzungsphase

Seit dem 5. September steht das Parklet auf der Kamenzer Straße vor dem Büro des BUND. Die Sitzmöglichkeiten werden von vielen Menschen genutzt und die vielen Rückmeldungen im Feedbackkasten sind bisher sehr positiv. Sie reichen von kleinen Verbesserungsvorschlägen über Lob, hin zu Bitten nach Vervielfältigung oder Ausleihanfragen zur Unterstützung ähnlicher Initiativen. Wir freuen uns sehr darüber und versuchen natürlich auch darauf einzugehen.  Wir haben von der Stadt für weitere Standorte die Erlaubnis zur Nutzung der Parkflächen erhalten oder sind voraussichtlich. Teil anderer Veranstaltungen, sodass ihr den Anhänger an folgenden Orten antreffen könnt:

  • bis 23.09. primär Kamenzer Straße (vor dem Büro des BUND)
  • 16.09. Parkingday des ADFC, Schillingstraße, Löbtau
  • 24.09. Anwohnerversammlung "Prießnitzallee. grüner – langsamer – verspielter – charmanter“ Prießnitzstraße Ecke Schönfelderstraße
  • Bis 01.10 Jordanstraße Ecke Alaunstraße
  • Bis 15.10 Louisenstraße Höhe Förstereistraße
  • Bis 29.10 Kreuzstraße 2 (Rathaus)

 

Ausblick

Die vielen positiven Rückmeldungen bestärken uns darin, uns auch nach Ende des Förderprojekts (12/22) verstärkt für eine gerechtere Nutzung des öffentlichen Straßenraums einzusetzen. Welche Möglichkeiten wir für nächsten Jahr sehen, werden wir zum Ende der diesjährigen Nutzungsphase bewerten. Aktuell wollen wir noch weitere Erfahrungen sammeln.

Wenn Dich das Projekt anspricht, Du Dich gerne über die Nutzung des öffentlichen Straßenraums unterhalten möchtest, Du Dir vorstellen kannst, Dich in zukünftige Aktivitäten einzubringen oder Du selbst eine Aktion planst, bei der Dir die Verwendung des mobiles Parklets als geeignet erscheint, dann kontaktiere uns sehr gern =)!

Das mobile Parklet befindet sich im Bau.

Der fertiggestellte Anhänger mit Aufbau.

Das Parklet ist in der Neustadt unterwegs und lädt zum Sitzen und zur Entspannung ein - und das mitten in der Stadt auf einem normalerweise beparkten Parklplatz.

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