Regionalgruppe Dresden

Offener Brief zum Antrag A0474/23 „Fuß- und Radwegbeleuchtung am Dresdner Elbradweg verbessern bzw. schaffen“

24. Januar 2024 | Flüsse & Gewässer, Naturschutz, Lebensräume

Offener Brief zum Antrag A0474/23 „Fuß- und Radwegbeleuchtung am Dresdner Elbradweg verbessern bzw. schaffen“ an die Dresdner Stadtverwaltung und Stadtpolitik

Pressemitteilung


Dresden, 24.01.2024


Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
sehr geehrte Beigeordnete,
sehr geehrte Damen und Herren im Stadtrat,

der BUND Dresden begrüßt das Anliegen des Stadtrats, den Radverkehr in Dresden stärken und damit zur Verkehrswende beitragen zu wollen. Wir begrüßen darüber hinaus, dass im Antrag bereits bedarfsorientierte Beleuchtung, u.a. durch den Einsatz dimmbarer Leuchten und Solar-Akkus, mitgedacht wird und der Fokus auf „kritische Bereiche“ gesetzt werden soll.

Es ist jedoch zu berücksichtigen, dass der Radweg durch das Landschaftsschutzgebiet „Dresdner Elbwiesen und Altarme“ und das Fauna-Flora-Habitat-Gebiet „Elbtal zwischen Schöna und Mühlberg“ verläuft. Durch seine Nähe zur Elbe ist eine Beleuchtung aus naturschutzfachlicher Sicht besonders kritisch zu prüfen:

Die sich an Gewässern befindlichen Naturflächen sind sehr artenreich und für die Stabilität der betroffenen Ökosysteme von großer Bedeutung. Zudem können Lichtanlagen aufgrund der ebenen Flächen aquatischer Lebensräume in einem großen Wirkradius nachteilige Auswirkungen hervorrufen. Bei Beleuchtungsplanungen sollten deshalb insbesondere Gewässer vor Lichtimmissionen geschützt und in die Entwicklung von Lebensraumkorridoren integriert werden.“ [1] Weiterhin sind negative Auswirkungen einer Beleuchtung speziell auf einzelne Artengruppen wie Nachtfalter, Amphibien und Fledermäuse zu prüfen.

Zudem geben wir zu bedenken, dass die Beleuchtung des kompletten Elbradweges nicht zentral zu einer Verkehrswende beitragen wird. Wir weisen darauf hin, dass es im Dresdner Stadtgebiet andere, prioritär zu behandelnde Unfallschwerpunkte sowie einen allgemeinen Bedarf hinsichtlich des Ausbaus der Radinfrastruktur gibt. Unklar ist, wie intensiv der Elbradweg ab der Dämmerung tatsächlich genutzt wird und ob fehlende Beleuchtung die Hauptursache bisheriger Unfälle war. Die Regelung aus der Straßenverkehrs-Ordnung (StVO) § 1 Abs. 1 „Die Teilnahme am Straßenverkehr erfordert ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht“ gilt ohnehin und muss von allen Verkehrsteilnehmenden eingehalten werden. Durch die Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO) ist die Beleuchtung von Fahrrädern wiederum bindend vorgeschrieben.

Bereits in anderen Städten wurde festgestellt, dass „[…] mit einer Radwegebeleuchtung hohe Installationskosten verbunden [sind], die in Relation zur Nutzerfrequenz, die oftmals nicht bekannt ist, abzuwägen sind.“ [2] Bei der Abwägung von Vor- und Nachteilen einer Beleuchtung ist außerdem zu berücksichtigen, dass eine flächendeckende Radwegbeleuchtung entlang der Elbe das Landschafts- bzw. Stadtbild bei Tag und Nacht negativ beeinflussen würde.

Konkret schlagen wir daher vor:

  • Prüfung des Bedarfs und realen Mehrwerts einer Beleuchtung auf dem Elbradweg
  • Prüfung, ob fehlende Beleuchtung die Hauptursache bisheriger Fahrradunfälle auf dem Elbradweg war
  • Beschränkung der Beleuchtung auf gefahrenträchtige Abschnitte
  • Prüfung aller möglichen Auswirkungen auf Fauna, Flora und Schutzgebiete insbesondere in Gewässernähe und im Falle von Hochwasserereignissen
  • Prüfung aller anfallenden Kosten
  • kritische Abwägung des Vorhabens gegenüber alternativen Verkehrsführungen wie bspw. Radwegen an Käthe-Kollwitz-Ufer, Tolkewitzer Straße, Pillnitzer Landstraße oder Leipziger Straße
  • Aufnahme bekannter Empfehlungen [1] zur Reduzierung der Lichtverschmutzung und zum Einsatz insektenschonender Beleuchtung in den Antrag, konkret zu folgenden Variablen: Lichtfarbe: möglichst gelbes, „warmes“ Licht, max. 2.400 Kelvin, Lichtstärke, Richtung, Höhe und Abschirmung des Lichts, Lichtmanagement

Wir bitten Sie daher, dass unsere hier vorgebrachten Anmerkungen bei der Abstimmung im Stadtrat berücksichtigt werden. Der BUND Dresden würde sich in diesem Zusammenhang über einen weiteren Austausch freuen.
 

Mit verBUNDenen Grüßen

BUND Regionalgruppe Dresden im BUND Landesverband Sachsen e.V.

Kontakt: Jenny Förster, Beisitzerin im Vorstand (jenny.foerster(at)bund-dresden.de)


Quellen

[1] Schroer, S.; Huggins, B.; Böttcher, M. und Hölker, F. (2019): Leitfaden zur Neugestaltung und Umrüstung von Außenbeleuchtungsanlagen. Anforderungen an eine nachhaltige Außenbeleuchtung. BfN-Skripten 543 S. 34 ff. www.bfn.de/sites/default/files/2022-05/skript543_4_aufl.pdf).

[2] Auszug aus: Dr. A. Hänel, Fachgruppe Dark Sky der Vereinigung der Sternenfreunde und S. Frank, Landkreis Fulda, Sternenpark UNESCO Biosphärenreservat Rhön. Umweltverträgliche Beleuchtung Sternenpark Rhön: Biosphärenreservat Rhön (biosphaerenreservat-rhoen.de) www.lichtverschmutzung.de 01_2021_aktul. 02/2021
 

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