Regionalgruppe Dresden

Neustadtportraits - Gesichter und Stimmen zur Woche des guten Lebens

Wer sind die Menschen, die in der Äußeren Neustadt leben und was denken sie über die "Woche des guten Lebens"? In unserem Blog stellen wir euch jede Woche Neustädter*innen und ihre Meinung und Ideen zum Verkehrsexperiment vor.

2. Mai 2021: Christian

© Ronny Rozum

Heute haben wir Christian die Fragen gestellt, der sich beruflich, aber auch ehrenamtlich als Vorsitzender des Herbert-Wehner-Bildungswerks für politische Bildung sowie des Demokratie-Vereins Bürger.Courage seit vielen Jahren mit sozialen und öffentlichen Orten beschäftigt und als gewählter Stadtbezirksbeirat für die Neustadt die „Woche des Guten Lebens“ unterstützt. Ihn interessieren vor allem auch die Chancen des konkreten Prozesses, die Neustadt autofreier zu machen.

Wie möchtest du den freien Raum auf der Straße zur "Woche des guten Lebens" nutzen?
Leider wird ja die Woche nun wegen der Pandemie nicht stattfinden. Aber aufgehoben ist ja nicht aufgeschoben. Ich werde auf jeden Fall Badminton spielen, wenn die Straßen irgendwann frei sind. Und ich freue mich schon jetzt auf die vielen kleinen Ideen aus unserem Stadtviertel, die uns allen immer wieder ein Lächeln ins Gesicht zaubern.
Ich stelle mir immer schon im Rahmen der Idee der „Woche des guten Lebens“ die leeren Straßen Sonntag Abend und Montag früh an der BRN vor, und man ist immer überrascht über den vielen Platz. Aber auch über die große Leere, in der eben auch irgendwas etwas fehlt. Die neue Leere muss kreativ und zusammen gefüllt werden. Mit viel Grün. Aber auch großstädtisch-kreativ.

Was Gibt es aus deiner Sicht zu beachten oder zu verbessern, damit alle zufrieden sind?
Auch in der Neustadt wirkt oft das NIMBY-Prinzip: Not in my backyard. Fast alle sind ja abstrakt für autofreie Straßen. Aber konkret sagen dann doch viele, lasst uns nicht in der eigenen Straße, sondern woanders beginnen. Denn natürlich bedeutet eine autofreie Neustadt unheimlich viele Chancen, aber natürlich auch neue Herausforderungen: Mehr Platz auf den Straßen, aber natürlich gibt es auch Nachteile. Zu erwarten ist etwa mehr Lärm, persönliche Einschränkungen, wenn man mit dem Auto zur weiter weg gelegenen Arbeit fährt. Es ist wichtig Visionen zu formulieren und dann mit einer den Stadtteil aktivierenden Bürgerbeteiligung mit unterschiedlichen Facetten umzusetzen.

Einen Parkplatz ersetzt du mit …
… Baumreihen auf den Straßen, unterbrochen von Bänken, auf denen man sich vor den Türen treffen kann. Cafés bekommen mehr Freiraum. Kinder spielen auf den Straßen! Als Italien-Fan freue ich mich auf mehr mediterranes Flair in Dresden und der Neustadt.

25. April 2021: Anna-Lisa

© Ronny Rozum

Obwohl die Woche des guten Lebens nicht wie geplant stattfinden kann, stellen wir Euch heute Anna-Lisa Gebhardt vor. Sie ist erst im letzten Oktober nach Dresden und in die Neustadt gezogen. Bei gutem Wetter und offenen Fenstern kann man sie manchmal über den Dächern nahe der Prießnitz singen hören.

Wie möchtest du den freien Raum auf der Straße zur "Woche des guten Lebens" nutzen?
So viel freien Raum zu haben stelle ich mir fantastisch vor, aber auch herausfordernd. Meine Heimatstadt Hamburg hat dies auch schon versucht, daher bin ich gespannt, wie es hier werden könnte. Ich möchte den Raum nutzen um durchzuatmen, mich gemeinsam mit Freund*innen und Kolleg*innen auf einen Kaffee oder Bier in die Sonne setzen, neue Menschen kennenlernen, Bäume zu pflanzen und natürlich gemeinsam musizieren.

Was gibt es aus deiner Sicht zu beachten oder zu verbessern, damit alle zufrieden sind?
Öffentliche Räume und Plätze noch mehr gemeinsam zu nutzen. Vor allem jetzt, wo es wieder wärmer wird und wir aber leider immer noch von dieser Pandemie und den Kontaktbeschränkungen geplagt werden finde ich es wichtig weiterhin seine sozialen Kontakte zu pflegen und mit Menschen Zeit zu verbringen, sich gegenseitig zu stärken und füreinander da zu sein.

Einen Parkplatz ersetzt du mit …
...einem musikalischen Intermezzo!

18. April 2021: Gerd

© Ronny Rozum

Ich bin Gerd und lebe mit meiner Familie in der Martin-Luther-Straße, also direkt im Kerngebiet der Aktionswoche. Wie eine freie Straße genutzt werden kann, konnten meine Kinder schon einmal zum Ende der Sanierung der Martin-Luther-Straße erleben. Die Straße war bereits fertig aber noch gesperrt für den Verkehr. Es gab Rollerwettrennen, Fußballspiele usw. Ein Auto besitze ich nicht mehr. Nachdem ich schon 16 Jahre ein eigenes Auto besaß (es waren insgesamt vier), kam bei mir der Wunsch und die Idee auf, dass es auch ohne gehen müsste. Es hat dann aber noch zwei Jahre gedauert, bis ich mich letztendlich vor zehn Jahren dazu durchringen konnte. Man musste schon damals kein Pionier sein für diesen Schritt. Es gab bereits sehr viele Teilauto-Stationen, die näher waren, als die gefunden Parkplätze, an denen ich manchmal mein Auto abstellen musste. Heute kann ich es mir nicht mehr vorstellen, ein eigenes Auto anzuschaffen. Die Freiheit ohne ist einfach zu groß und die knapp zehn Kilometer zu meiner Arbeit fahre ich mit dem Rad.

 

Wie möchtest du den freien Raum auf der Straße zur "Woche des guten Lebens nutzen"?
Ich wünsche mir den gewonnenen Raum als Ort der Begegnungen für Jung und Alt. Das Schöne an der Neustadt ist, dass sie wie ein Dorf ist. Ständig trifft man Leute und bleibt stehen für einen Plausch. Der Platz dafür ist meist sehr klein, vor allem wenn man mit Familie unterwegs ist. Dann ist der Fußweg dicht. Wie es anders sein könnte, sieht man schon am Martin-Luther-Platz. Seit seinem Umbau ist er sehr belebt. Aber auch für Kinder kann der gewonnene Raum so viel mehr sein. Wenn die Kinder schon etwas größer sind, dann bieten die Spielplätze der Neustadt wenig Anziehungspotential. Diese sind meist nur für wirklich kleine Kinder attraktiv. Ich wünsche mir Tischtennisplatten, Möglichkeiten zum Skateboard fahren und mehr. Das werden wir in der Woche alles austesten.

Was gibt es aus deiner Sicht zu beachten oder zu verbessern, damit alle zufrieden sind?
Alle zufrieden zu machen ist in einer so diversen Gesellschaft ein hehres Ziel. Aber es sollte immer im Fokus als (wohl nie erreichbares) Ziel stehen. Die Veranstaltung im Rathaus 2017, welche zum Anlass genommen wurde dieses Projekt auszuprobieren, hat doch gezeigt, dass es mit dem aktuellen Status Quo schon eine Unzufriedenheit gibt. Ich wünsche mir, dass sich die Menschen in meiner Nachbarschaft auf diese Woche einlassen. Bei mir war es damals auch ein Prozess mit vielen Überlegungen und auch des Ausprobierens (ich hatte mich schon bei Teilauto angemeldet, als ich mein letztes Auto noch besessen hatte). Und auch wenn es für manche am Ende heißen wird, es geht bei mir nicht ohne Auto. Das Ziel ist es ja nicht, das Auto zu verteufeln, sondern Optionen und alternative Ideen aufzuzeigen, weiter zu entwickeln und zu leben. Dafür ist eine Woche schon sehr ambitioniert. Aber das ist doch aus meiner Sicht schon ein Kompromiss dafür, um allen entgegen zu kommen.

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… einem Ort der Begegnungen und des Austauschs. Wir als Hausgemeinschaft werden uns etwas überlegen.

11. April 2021: Fiene

© Ronny Rozum

Ich bin Fiene und ich mache mein Praktikum im Stadtteilhaus. Gemeinsam haben wir den Plan entwickelt aus alten Legosteinen Rampen für mobilitätsbeeinträchtigte Menschen mit Rollstuhl oder Rollator, mit Rollkoffern und Eltern mit Kinderwägen zu bauen.

Wie möchtest du den freien Raum auf der Straße zur  "Woche des guten Lebens" nutzen?
Zur "Woche des guten Lebens" möchte ich einen Rundgang durch die Straßen machen, um zu zeigen wie schwer es Menschen haben, die auf einen Rollstuhl oder andere Gehhilfen angewiesen sind. Außerdem möchte ich einladen mit mir eine Legorampe zu bauen.

Was gibt es aus deiner Sicht zu beachten oder zu verbessern, damit alle zufrieden sind?
Es sollte mehr darauf geachtet werden, dass Menschen mit Behinderungen im Alltag auf viele Barrieren stoßen und diese abgebaut werden müssen.

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… einem Bauplatz für die erste Legorampe der Neustadt.

4. April 2021: Victor

© Ronny Rozum

Heute sprechen wir mit Victor, der mit Frau und Tochter in der Neustadt wohnt und mit seinen Kompetenzen aus Studium und Beruf zum Thema städtische Raumentwicklung die "Woche des guten Lebens" mit Wort und Tat ganz großartig unterstützt. Derzeit werden neben dem Entwickeln von Konzepten vor allem tatkräftig Einlets (Stadtmöbel im Foto) für mehr Entfaltung von sozialen und wirtschaftlichen Prozessen gebaut.

Wie möchtest du den freien Raum auf der Straße zur "Woche des guten Lebens" nutzen?
Ich werde mit meiner Frau und meiner Tochter auf der Straße, dann auf dem Fußweg, dann wieder auf der Straße und dann wieder auf dem Fußweg im Zickzack laufen und das Gefühl genießen, mit Kinderwagen oder Fahrrad flanieren zu können ohne dabei auf die Autos achten zu müssen. Ich werde den Raum nutzen um die Bewegungsfreiheit und den Blick genießen zu können.

Was gibt es aus deiner Sicht zu beachten oder zu verbessern, damit alle zufrieden sind?
Ich fände es schön; wenn mehr in der Öffentlichkeit diskutiert werden könnte. Vor allem für viele Gewerbetreibenden und Anwohner ist die "Woche des guten Lebens" gefühlt mehr Stress als Freude für Veränderung. Das autofreie Pontevedra in Spanien ist hier ein gutes Beispiel für mich. Ich bin der Meinung, da wo die größten Widerstände sind, lassen sich die stärksten Argumente für eine Wende für Mobilität und Parkräume finden. In vielen Städten der Welt gibt Erfolge und Unternehmer verzeichnen steigende Einnahmen in ihren Geschäften in den Flaniermeilen. Für die kulturelle Konjunktur ist die "Woche des guten Lebens" eine große Chance und Mehrwert. Das möchte ich gern an runden Tischen vermitteln.

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... am besten nichts. Den Freiraum und die Aussicht genießen. Aber es geht noch mehr. Sharing für Bikes & Cars. Eine Paketstation, an der ich mein Paket abholen könnte, ohne dass ich Stunden auf der Post warten muss. Bäume, Sträucher und Wiesen. Der Biodivisität, das Stadtklima, unsere Lebensqualität könnten sich durch ein zentralisiertes Parkmanagement so enorm verbessern, dass wir uns fragen würden, warum fangen wir erst jetzt an?

28. März 2021: Silke

© Ronny Rozum

Heute sprechen wir mit Silke, der Besitzerin vom Malu, auf der Louisenstraße, dort gibt es schöne Stoffe und das beliebte Nähcafé.

Wie möchtest du den freien Raum auf der Straße zur "Woche des guten Lebens" nutzen?
Ich freue mich schon sehr auf den Freiraum zur "Woche des guten Lebens" auf die Losgelöstheit von Autos, Enge, ständiger Vorsicht und Sorge um die Sicherheit unserer Kinder. Ich möchte den Freiraum dafür nutzen, dieses größere Raumgefühl zu genießen und hoffe, dass dadurch viele Menschen ihre Angst vor einer autofreien Neustadt verlieren und merken, was sie an Lebensqualität und Souveränität zurückgewinnen.

Was gibt es aus deiner Sicht zu beachten oder zu verbessern, damit alle zufrieden sind?
Man kann es nie allen Recht machen. Meckern ist eine Sache, loslegen um Dinge zu ändern eine andere. Es gibt so viele Plattformen um sich einzubringen – man sollte einfach mal starten.

Einen Parkplatz ersetzt du mit …
Grundsätzlich hätte ich gern Fahrradständer und einen Pflanzkübel mit einem Rand zum Draufsitzen vor meinem Laden. Zur "Woche des guten Lebens" werden wir mit interessierten Kindern eine große coole Murmelbahn aus unseren leeren Stoffrollen bauen.

21. März 2021: Jakob

© Ronny Rozum

Heute stellen wir euch Jakob vor, der mit dem Büro für gute Maßnahmen einen Ort für Kunst, Kultur, Musik und Bildung sowie einen Treffpunkt für alle Neustädter*innen auf der Jordanstraße anbietet - einen leeren Raum, den ihr für euch nutzen könnt, ganz ähnlich wie die Straßen der Neustadt in der "Woche des guten Lebens".

Wie möchtest du den freien Raum auf der Straße zur "Woche des guten Lebens" nutzen?
Vor allem interessant stelle ich mir vor, den freien Raum als Perspektive für Möglichkeiten zu sehen. Dass die Straßen autofrei sein können und was sich dadurch alles entwickeln kann, ist sehr schwierig auf den Horizont der Möglichkeiten zu setzen, wenn es nicht real ist. Durch die praktische Erprobung können hier Ideen und Perspektiven entstehen.

Was gibt es aus deiner Sicht zu beachten oder zu verbessern,  damit alle zufrieden sind?
Natürlich ist es wichtig, die "Woche des guten Lebens" in Absprache mit den Anwohnenden durchzuführen. Außerdem würde ich mir wünschen, neben ganz vielen tollen Aktionen vor allem auch Freiräume zu schaffen, die nicht bespielt werden und somit Kreativität und Spontanität aller Partizipierenden zu ermöglichen. Die Breite einer leeren Straße zu erleben, kann sicher zu guten Ideen führen.

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... einem Freiluftbüro. Und einem Ort der Zusammenkunft für Menschen, die nebeneinander wohnen, aber sich gar nicht kennen.

14. März 2021: Berit

© Ronny Rozum

Diesmal beantwortet Berit vom Lose-Laden auf der Böhmischen Straße unsere drei Fragen – und das recht detailliert und gar nicht lose ;-)

Wie möchtest du den freien Raum auf der Straße zur "Woche des guten Lebens" nutzen?
Mit unserem Laden machen wir tolle Aktionen für Kinder und bemalen die Straße großflächig mit farbenbunter Kreide – gegen den grauen Asphalt. Dazu gibt es Seilspringen, Gummihopsen und Himmel und Hölle. Kommt auch gern zum Getreidequiz, das ist ein Heidenspaß. Am Samstag laden alle Gewerbetreibenden verschiedene Musiker*innen ein, die die ganze Böhmische bespielen, darauf freue ich mich besonders.

Was gibt es aus deiner Sicht zu beachten oder zu verbessern, damit alle zufrieden sind?
Lasst uns einfach ausprobieren was passiert, denn schließlich zählt: Neues verändert die Welt positiv. So startete ich mein Geschäft und fragte mich vorher keine tausend Fragen. Machen statt reden! Ich persönlich würde es sogar sehr schätzen, wenn unsere Neustadt auf Dauer autofrei wird, das eröffnet ganz neue Perspektiven und wäre ein Vorzeigeprojekt.

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Zum Glück gibt es keine Parkplätze auf dem Teil unserer Böhmischen, ansonsten freue ich mich, dass wir an diesen Tagen einfach den Raum auf der Straße nutzen können und dürfen. Das machen wir natürlich auch. Kommt alle vorbei!

 

7. März 2021: Ben

© Ronny Rozum

Ben arbeitet fürs Scheuneteam und jonglierte für uns vor ein paar Tagen auf dem Scheunevorplatz.

Wie möchtest du den freien Raum auf der Straße zur "Woche des guten Lebens" nutzen?
In der Neustadt drängt sich ja normalerweise viel auf den engen Fußwegen zwischen Hauswänden und parkenden Autos. Da freue ich mich als erstes einfach über den zusätzlichen Platz für Fußgänger*innen und Fahrradfahrer*innen. Ansonsten stelle ich es mir schön vor, morgens Kaffee auf der Straße zu trinken und vielleicht ein bisschen zu jonglieren oder Federball zu spielen.

Was gibt es aus deiner Sicht zu beachten oder zu verbessern, damit alle zufrieden sind? Ich persönlich finde, die "Woche des guten Lebens" ist ein super Experiment. Warum nicht einfach mal eine Woche lang ausprobieren, wie die Neustadt ohne Autos aussieht und funktioniert? Dann lässt sich wahrscheinlich auch am besten herausfinden, wo es Probleme zu lösen gibt. Ich weiß, dass es auch viele Menschen gibt, die hier Bedenken haben. Diese sollten in dem Prozess unbedingt mitgenommen werden.

Einen Parkplatz ersetzt du mit … ... einem Picknicktisch.

28. Februar 2021: Katja

© Ronny Rozum

Wer bist du?
Ich bin Katja – meinen Führerschein habe ich erst drei Jahre, das heißt, ich habe bis zu meinem 35. Lebensjahr autofrei gelebt und es war machbar. Auch meine Eltern waren lange keine Autofahrer, so dass Familienausflüge immer mit Straßenbahn oder Zug stattfanden.

Für mich bot sich vor zwei Jahren die Gelegenheit ein eigenes Auto zu haben und dafür bin ich um ehrlich zu sein auch sehr dankbar, da es gerade für mein Hobby „das Fotografieren“, Familienbesuche und Kundengespräche abseits von Dresden unkomplizierter ist. Aber ich bevorzuge für Strecken in der Stadt weiterhin das Fahrrad oder laufe.

Wie möchtest du den freien Raum auf der Straße zur "Woche des guten Lebens" nutzen?
Weniger Autos bedeuten weniger befahrene Straßen und damit weniger Stress, mehr Ruhe und Sicherheit, vor allem für Senioren, Kinder und Behinderte. Das sorgt auch für etwas Entschleunigung im Stadtraum und mehr Achtung und Wertschätzung füreinander.

„Und wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, so würde ich doch heute mein Apfelbäumchen pflanzen“ hat schon Luther gesagt - deshalb lasst uns sinnbildlich damit anfangen, damit eine Streuobstwiese entstehen kann ;) Das heißt: eine autofreie Woche, die durch die einzelnen Aktionen viel Zuspruch erhält, ist schon mal viel wert und könnte damit auch in Zukunft länger dauern als eine Woche.

Was gibt es aus deiner Sicht zu beachten oder zu verbessern, damit alle zufrieden sind?
Wie schon erwähnt bin ich nicht grundsätzlich gegen Autos, aber ich sehe die Woche als Experiment dafür, dass es nicht schlimm ist, mal ein paar Meter weiter zum eigenen Auto zu laufen oder ganz darauf zu verzichten. Auf weite Sicht wünsche ich mir, dass die (teuren) Stellplätze wegfallen und mehr Tiefgaragen entstehen. Somit wäre das Bedürfnis nach mehr Platz auf der Straße und gleichzeitig das der Autoliebhaber gestillt.

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...einer Seifenblasen-Maschine oder einem Seifenblasenmann/einer Seifenblasenfrau mit Seifenblasen-Angel.

21. Februar 2021: Moritz

© Ronny Rozum

Wer bist du?
Hey, ich bin Moritz und Praktikant bei der "Woche des guten Lebens". Seit zweieinhalb Jahren wohne ich in der Neustadt. Meine Vision ist es, dass in den Städten der öffentliche Raum für alle Menschen da ist und ein Ort ist an dem man sich begegnen kann. Hier sehe ich die "Woche des guten Lebens" als das perfekte Projekt, um das noch mehr in den Vordergrund zu stellen.

Wie möchtest du den freien Raum auf der Straße zur "Woche des guten Lebens" nutzen?
Ich wünsche mir für die Woche, dass viele Menschen den freien Raum auf ganz unterschiedliche Art und Weise nutzen, sei es um gemeinsam zu essen, zu musizieren oder um einfach inne zu halten, sich für einen Moment in die Sonne zu setzen, sich ohne Lärm und Stress im öffentlichen Raum auf zuhalten.

Was gibt es aus deiner Sicht zu beachten oder zu verbessern, damit alle zufrieden sind?
Allen Menschen, die bisher noch zweifelhaft gegenüber dem Projekt sind rate ich, dass sie versuchen sich einmal auf das Projekt einzulassen. Natürlich soll dennoch weiterhin konstruktive Kritik geäußert werden. Die Woche soll für alle Menschen eine positive Erfahrung werden. Dies gelingt jedoch nur, wenn wir Hürden und Hindernisse gemeinsam angehen und bewältigen.

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... der kleinsten Bühne der Welt für alle die Lust haben ihre Talente zu zeigen. Sei es Musik, ein kurzer Witz oder einen Zaubertrick.

14. Februar 2021: Jule

© Ronny Rozum

Noch nicht mal ein Jahr wohnt Jule Morgenroth in der Neustadt, aber sie hat sich schnell in das Viertel verliebt. Für die "Woche des guten Lebens" ist sie seit Sommer 2020 in der AG Verkehr tätig.

Wie möchtest du den freien Raum auf der Straße zur "Woche des guten Lebens" nutzen?
Die Neustadt ist für mich ein besonderes Stadtviertel voller spannender Individuen und Ideen. Die "Woche des guten Lebens" gibt allen die Chance, ihren Ideen einen Raum zu geben und ich möchte die Woche nutzen, um mich von den unterschiedlichen Arten von Kreativität inspirieren zu lassen, mit verschiedenen Menschen in den Austausch zu kommen und in einer entschleunigten, ruhigen Atmosphäre den besonderen Spirit der Neustadt genießen.

Was gibt es aus deiner Sicht zu beachten oder zu verbessern, damit alle zufrieden sind?
Meiner Meinung nach ist es wichtig, die Anwohner*innen wissen zu lassen, dass die den Raum selbst gestalten können und dass ihnen nichts „von oben“ vorgeschrieben wird. Personen, die angesichts der ungewohnten Umstände noch Zweifel haben, sollte die Angst genommen werden. Natürlich wird es immer Menschen geben, die auf ihr eigenes Auto angewiesen sind, aber ich hoffe, dass spätestens nach der WdgL möglichst viele davon überzeugt sind, dass es auch ohne PKW gut klappt und dass diese Art zu leben vielleicht auch viel angenehmer und unkomplizierter ist.

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Am liebsten würde ich ganz viel Grün in die Stadt bringen, in Form von Bäumen, Blumen und Hochbeeten, mit gemütlichen Sitzgelegenheiten dazwischen. Vegetation gibt es sowieso sehr wenig im Stadtviertel, obwohl Stadtgrün wunderbar als Platz zum Verweilen in der schnelllebigen Stadt dienen kann und neben dem Menschen auch der Fauna und dem Mikroklima gut tut.

7. Februar 2021: Falko

© Ronny Rozum

Seit 2017 engagiert sich Falko für die "Woche des guten Lebens". Seitdem hat das Vorhaben einige Hürden übersprungen und er und die vielen Beteiligten freuen sich nun auf die Umsetzung der Woche.

Wie möchtest du den freien Raum auf der Straße zur "Woche des guten Lebens" nutzen?
Sonnenschein und angenehm warme Temperaturen, Aufbruchsstimmung im Frühling, keine Corona-Maßnahmen mehr, freundliche Menschen die Bewegung, Kontakt und frische Luft genießen... So stelle ich mir die Woche im Mai nach der entbehrungsreichen Winterzeit vor. Eine zusätzliche Möglichkeit ohne großen Aufwand mit der Familie vor die Tür zu treten und interessante Entdeckungen zu machen.

Was gibt es aus deiner Sicht zu beachten oder zu verbessern,damit alle zufrieden sind?
Ich appelliere an jeden sich auf das zeitlich sehr begrenzte Experiment auch einmal einzulassen. Vielleicht sind die möglichen persönlichen Einschränkungen gegenüber den neuen Entfaltungsmöglichkeiten und Annehmlichkeiten gar nicht so groß. Ich hoffe auf eine vorurteilsfreie Woche und im Anschluss an ehrliche und reflektierte Bewertungen. Für die gesamte Zeit aber nach dem Motto: Mensch ärgere Dich nicht!

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... einem Tisch und ein paar Stühlen und spiele einige Partien mit der Familie, Freunden und Besuchern im symphatischen Neustadt-Flair.

31. Januar 2021: Flora

© Ronny Rozum

Flora illustriert die Neustadt und setzt als Mitglied im Büro für gute Maßnahmen ihre Energie für kreative Projekte und mehr Austausch in der Stadt ein. Seit kurzem engagiert sie sich in der AG Aktion bei der "Woche des guten Lebens". Sie empfindet es als sehr sinnstiftend, bei der Umsetzung des Verkehrsexperiments mitzuwirken und hat gern unsere 3 Fragen beantwortet - danke, Flora!

Wie möchtest du den freien Raum auf der Straße zur "Woche des guten Lebens" nutzen?
Vor allem möchte ich festhalten, wie sich das Stadtgefühl und die Raumatmosphäre in der Neustadt verändern wird und illustrieren, welches Potential der Straßenraum bietet. Die Stadt der Zukunft muss neu geordnet und unkonventionell gedacht werden und dabei spielt der Freiraum eine essentielle Rolle. In meiner Hoffnung gibt die "Woche des guten Lebens" einen Vorgeschmack darauf, wie das aussehen kann.

Was gibt es aus deiner Sicht zu beachten oder zu verbessern, damit alle zufrieden sind?
Auch mit einer reduzierten Anzahl an Autos ist die Neustadt noch kein auffallend barrierefreier Ort. Dementsprechend müssen schlaue Ideen her, wie auch wirklich alle Bewohner*innen am Freiraumgenuss teilhaben können.

Einen Parkplatz ersetzt du mit ...
…vielen guten Maßnahmen wie einem Frühstückstisch, frischen Waffeln und guter Laune - denn nichts bringt Menschen auf eine entspanntere Art und Weise zusammen als gemeinsames Essen.

24. Januar: Janosch

© Ronny Rozum

Janosch von Wunderholz.com lebt seit 20 Jahren in der Neustadt. Er erfindet und baut Holzspielzeug, das er eigentlich auf Märkten und Messen verkauft. Dank Corona bleibt ihm derzeit nur noch sein Online-Shop www.wunderholz.com und seine zweite Leidenschaft: die Musik. Denn die ist für ihn, genauso wie die Spielfreude, eine hochansteckende Gesundheit!

Wie möchtest du den freien Raum auf der Straße zur "Woche des guten Lebens" nutzen?
Ich würde gern kreative Spiel-, Musik- und Kunstaktionen machen, bei denen sich alle beteiligen können, die Lust haben. Vielleicht entsteht daraus ein Kunstwerk, das erlebbar macht, dass wir durch Begegnung im öffentlichen Raum Schönheit und Lebensfreude vermehren können.

Was gibt es aus deiner Sicht zu beachten oder zu verbessern, damit alle zufrieden sind?
In die Neustadt habe ich mich vor allem deshalb verliebt, weil sich hier so viel Leben, Begegnung und Kultur auf der Straße, den Plätzen und Höfen abspielt und überall Kinder rumflitzen, die noch draußen spielen. Dafür braucht eine Stadt Freiräume und verkehrsberuhigte Zonen, die von den Anwohnern selbst gestaltet und bespielt werden können.

Einen Parkplatz ersetzt du mit...
…einem sozialen Kunstwerk aus Musik, Farben, Skulpturen, Gesprächen, Spielen und hoffentlich bald wieder vielen Umarmungen.

17. Januar: Sergio

© Ronny Rozum

Wer bist du?
Mein Name ist Sergio Fernández Mendoza. Ich komme aus Málaga, Spanien. Seit fast zwei Jahren lebe ich in Dresden. Ich fotografiere sehr gern. Deshalb habe ich einen Blog mit Fotos von der Neustadt @neustadtbild gemacht. Diesen Stadtteil mag ich am meisten.

Wie möchtest du den freien Raum auf der Straße zur "Woche des guten Lebens" nutzen?
Ich fände es schön, wenn es einen Ort geben würde, an dem sich Spanier, die hier wohnen, treffen könnten. Es wäre ein Ort (zum Beispiel ein Lokal oder Terrasse) zum Austausch von Erfahrungen und zum Knüpfen von Kontakten.

Was gibt es aus deiner Sicht zu beachten oder zu verbessern, damit alle zufrieden sind?
Die Leute sollten spontaner sein und offener anderen Menschen gegenüber.

Einen Parkplatz ersetzt du mit ... Bäumen.

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