Regionalgruppe Dresden

Straßen für Menschen - Grünes Licht für die "Woche des guten Lebens"

22. März 2021: Pressemitteilung

Am 19. März genehmigte die Stadtverwaltung der Landeshauptstadt Dresden das Verkehrsexperiment „Woche des guten Lebens“ für den 2. bis 9. Mai 2021 in der Äußeren Neustadt. Nach langen Monaten des Wartens sowie unzähligen Verhandlungen und Überarbeitungen ist es nun offiziell: Die Stadtverwaltung hält das Bürgerprojekt für durchführbar. Die „Woche des guten Lebens“, das größte Verkehrsexperiment seiner Art in Deutschland, startet damit nun in die heiße Phase. „Wir mussten viele Hürden nehmen und sind nun sehr erleichtert, dass das Projekt stattfinden kann,“ sagt Jacqueline Griesbach, Projektkoordinatorin der „Woche des guten Lebens“.

Für die „Woche des guten Lebens“ werden weite Teile der Louisenstraße sowie einige angrenzende Nebenstraßen für acht Tage in einen verkehrsberuhigten Bereich mit einem grundsätzlichen Parkverbot umgewidmet. Dieser Teil bildet das Kerngebiet des partizipativen Projekts. Hier haben Fußgänger im Straßenraum Vorrang. Fahrzeugverkehr und Radfahrer müssen Schrittgeschwindigkeit einhalten. Behindertenparkplätze bleiben bestehen. Neustadtnahe Ausweichstellflächen werden für den Zeitraum des Verkehrsexperiments zur Verfügung gestellt.

„Wir sind viele Kompromisse eingegangen“, so Judith Kleibs, Projektkoordinatorin der „Woche des guten Lebens“: „In langen Verhandlungen wurde aus der ‚Äußeren Neustadt‘ die ‚Louisenstraße und Nebenstraßen‘ und aus ‚autofrei‘ ‚verkehrsberuhigt‘.“ Die umfangreiche Nutzung des Straßenraums durch die Anwohnenden ist gemäß den Auflagen der Verwaltung demnach begrenzt möglich. Aufgrund der einfahrenden Fahrzeuge können die Neustädter vorrangig die Parklücken im Kerngebiet nach ihren Wünschen gestalten und für Aufbauten nutzen. Weitere Details werden in einem Termin mit der Stadtverwaltung am 26. März endgültig abgestimmt und die Anwohnenden Anfang April per Infoblatt, Presse und Projekthomepage über die Regelungen informiert.

In den vergangenen Monaten haben bereits hunderte Neustädter Aktionen für die Nutzung des Straßenraums entwickelt und mit Vorbereitungen wie dem Bau von Parklets und Hochbeeten begonnen. „Wir freuen uns über die vielen engagierten Anwohnenden und wünschen uns, dass sich noch mehr Menschen mit ihren Ideen am Projekt beteiligen“, sagt Jacqueline Griesbach, Projektkoordinatorin der „Woche des guten Lebens“. Bei der Planung der Aktionen müssen geltende Corona-Beschränkungen sowie die Ruhezeiten und Sicherheit aller beachtet werden. Um eine alternative und nachhaltige Verkehrsraumgestaltung sichtbar zu machen und eine Debatte dazu anzuregen, wird im Kerngebiet außerdem eine Freiluftausstellung mit Entwürfen von Studierenden der TU Dresden zu sehen sein.

„Wir erhoffen uns, dass die langjährige Debatte über eine andere Verkehrsgestaltung in der Neustadt neue Impulse erhält, indem wir dieses Szenario einfach mal ausprobieren. Verkehrswende – hier wie deutschlandweit – erfordert Mut, Ideen und Auseinandersetzung. Dafür soll die ‚Woche des guten Lebens‘ ein Anstoß sein,“ erklärt Jutta Wieding, Vorsitzende vom Projektträger BUND Dresden.

Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte Verkehrsexperiment im Rahmen der Zukunftsstadt Dresden wird beforscht vom Leibniz Institut für ökologische Raumentwicklung (IÖR) sowie vom Lehrstuhl für Verkehrspsychologie der TU Dresden. Untersucht wird, inwiefern sich das Mobilitätsverhalten der Neustädter sowie ihre Einstellung zu einem autoärmeren Stadtviertel während der Projektwoche und darüber hinaus verändert.

Stadtbezirksbeirat Neustadt unterstützt offiziell die "Woche des guten Lebens"

7. Oktober 2020

Der Stadtbezirksbeirat Neustadt unterstützt offiziell das Zukunftsstadtprojekt „Woche des guten Lebens". Dies wurde auf der 13. Sitzung am 5. Oktober 2020 durch die Stadtbezirksbeiräte mehrheitlich beschlossen. Mit 14 Pro-Stimmen und 2 Gegenstimmen begrüßten sie den durch Bündnis 90/Die Grünen eingebrachten Antrag, das Verkehrsexperiment vom 2. bis 9. Mai 2021 durchzuführen. Im Antrag hieß es als Begründung unter anderem, dass das Verkehrsexperiment dazu beitragen soll, eine Verkehrswende voranzutreiben und Erfahrungswerte zu schaffen, wie diese unter Einbeziehung möglichst viele Bürger*innen umgesetzt werden kann. Da die „Woche des guten Lebens“ als Reallabor durchgeführt und wissenschaftlich begleitet und ausgewertet wird, sei es in hohem Maße möglich, Rückschlüsse für eine nachhaltige und partizipative Stadt- und Verkehrsraumplanung zu ziehen.

Bereits am 3. Februar 2020 hatte das Projektteam den Neustädter Beiräten die "Woche des guten Lebens" zum ersten Mal präsentiert. Dort stieß das Projekt auf großes Interesse und es wurde um regelmäßige Updates gebeten. Aufgrund der Verschiebung des Termins von September dieses Jahres auf den Mai 2021 sowie die Unterteilung des Projektgebiets in Kerngebiet und Aktionsgebiet war das Projektteam am 7. September 2020 zum zweiten Mal zu Gast beim Stadtbezirksbeirat, um diese Änderungen vorzustellen. Dabei gingen die Projektkoordinatorinnen Sindy Berndt und Judith Kleibs außerdem auf das aktuelle Partizipations- und Verkehrskonzept ein. Letzteres liegt inzwischen dem Straßen- und Tiefbauamt zur Prüfung vor. Anja Dietel, Abteilungsleiterin Bürgeranliegen, und Franziska Ehnert vom IÖR unterstrichen in ihren Präsentationen insbesondere die Bedeutung der Erkenntnisse, die sich durch die "Woche des guten Lebens" für die Stadt- und Verkehrsplanung der Neustadt, aber auch darüber hinaus ergeben würden.

Der Stadtbezirksbeirat als Vertretung der Neustädter Bürger:innen begrüßte bereits im September mehrheitlich das Projekt und stellte sich mit dem Beschluss vom 5. Oktober 2020 nun offiziell hinter dessen Durchführung. Damit sendet er ein deutliches Signal an die Verwaltung, dass das Projekt wünschenswert und in der Neustadt gewollt ist.

Stadtbezirksbeirat Neustadt begrüßt mehrheitlich "Woche des guten Lebens"

14. Februar 2020

Bei der 5. Sitzung des Stadtbezirksbeirats Neustadt am 3. Februar 2020 hat die „Woche des guten Lebens" gemeinsam mit dem Leibnitz-Institut für ökologische Raumentwicklung (IÖR) und dem Bürgermeisteramt, Abteilung für Bürgeranliegen, den Stadtbezirksbeirät*innen das Projekt vorgestellt: Vom 30. August bis zum 6. September 2020 soll dabei das Gebiet zwischen Bischofsweg und Bautzner Straße, Königsbrücker und Prießnitzstraße für den privaten Anwohner- und Durchgangsverkehr gesperrt werden. Der dadurch frei werdende, öffentliche Raum soll ein gemeinsamer, lebenswerter Begegnungsort für die Menschen werden. Wie die Anwohner*innen eine Woche lang den autofreien öffentlichen Raum gestalten, sollen sie selbst entscheiden.
„Das Verschwinden der Autos aus dem öffentlichen Raum führt zu mehr Lebensqualität, da sind wir sicher", sagte Sindy Berndt vom Projektteam der „Woche des guten Lebens". Schließlich ginge es darum, den öffentlichen Raum aufzuwerten und einen Diskurs über nachhaltige Mobilität zu fördern. Das Institut für Verkehrspsychologie der TU Dresden begleitet das Projekt, die Regionalgruppe Dresden des BUND übernimmt die Trägerschaft. Die Finanzierung erfolgt durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung.
Mehrheitlich positiv bewerteten die Parlamentarier*innen am 3. Februar die „Woche des guten Lebens": So fanden die meisten Stadtbezirksbeirät*innen das Projekt „begrüßenswert" oder „super". Und manch einer freut sich schon darauf, „die Woche dann genießen zu können". Das meiste Interesse gab es zu rechtlichen Fragen und dem Verkehrs- und Logistikkonzept. Letzteres wird derzeit vom Projektteam in Zusammenarbeit mit der AG Verkehrskonzept erstellt – unter Beteiligung der Gewerbetreibenden und mithilfe der Stadtverwaltung. Stadtbezirksbeirätin Annegret Gieland (DIE LINKE) wünscht sich nun von der Landeshauptstadt ein breites Signal für die autofreie Woche des guten Lebens. „Sie muss dem Projektträger in den kommenden Monaten alles zukommen lassen, was in ihrer Kompetenz steht." Ulla Wacker (Bündnis 90/Die Grünen) erinnerte daran, die Bewohner*innen in der Neustadt durch Gespräche mitzunehmen. Und Felix Göhler (SPD) begrüßte die öffentliche Debatte, die durch die "Woche des guten Lebens" angestoßen wurde. „Vielleicht ist es rechtlich nicht so einfach, aber man muss den Willen haben, dann findet man schon eine Lösung", sagte er.
Dr. Markus Egermann, Leiter des Forschungsbereichs Nachhaltigkeits-Transformationen in Städten und Regionen am Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung (IÖR) erklärte den versammelten Abgeordneten, welche Bedeutung das Zukunftsstadtprojekt nicht nur für die Landeshauptstadt Dresden, sondern auch für die Wissenschaft hat: „Wir wollen untersuchen, was Menschen mit Stadtraum machen, den sie vorher nie hatten", sagte er über das Reallabor und verriet, dass die Forscher*innen der TU und des IÖR unter anderem mit Wegetagebüchern das Mobilitätsverhalten der Bewohner*innen untersuchen werden.

 

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