Der Eschen-Ahorn - Eine Bedrohung für die Elbauen

Der Eschen-Ahorn (Acer negundo) ist ein aus Nordamerika stammender Baum, der erstmals 1699 in Deutschland angepflanzt wurde. Ursprünglich als schnellwüchsiger Park- und Zierbaum geschätzt, gilt die Art mittlerweile als invasiv, da sie sich inbesondere in naturnahen Auenwäldern stark ausbreitet und negative Folgen auf die lokale Artenvielfalt hat.

Verdrängung heimischer Arten

Der Eschen-Ahorn besitzt mehrere Eigenschaften, die ihn zu einem starken Konkurrenten für einheimische Baumarten machen:

  • Sehr schnelles Wachstum und frühe Fruchtreife (bereits ab 8-11 Jahren)
  • Hohe Samenproduktion (bis zu 500.000 Samen pro Baum und Jahr)
  • Toleranz gegenüber verschiedensten Standortbedingungen
  • Ausschlagfähigkeit nach Verletzungen

Besondere Bedrohung für Auenwälder

In Auenbereichen kann der Eschen-Ahorn besonders problematisch werden:

  • Er bildet dichte Unterwuchsschichten unter heimischen Weiden und Pappeln
  • Verdunkelt dadurch die natürliche Verjüngung konkurrenzschwächerer Pionierarten
  • Verändert die typische Struktur und Artenzusammensetzung der Weichholzaue
  • Profitiert von gestörten Auenstandorten und fehlender natürlicher Überflutungsdynamik

Mehr Infos zur Art und der naturschutzfachlichen Einschätzung

Die Situation in Dresden und Umgebung

In den sächsischen Elbauen breitet sich der Eschen-Ahorn kontinuierlich aus. Die Ausbreitung wird durch Flussregulierungen begünstigt, da die natürliche Auendynamik fehlt, die ursprünglich heimische Pionierarten bevorzugt hätte und den Eschen-Ahorn schwächt. Besonders häufig trifft man die Baumart in den folgenden Bereichen: 

  • Gestörte Auenbereiche ohne regelmäßige Überflutung
  • Übergangszonen zwischen Weich- und Hartholzaue
  • Gewässerränder mit ausreichend Lichtangebot

Den aktuellen Stand der Forschung und genaue Infos zur Situation in Sachsen bietet die Diplomarbeit von Benjamin Albert

Wo sind wir aktiv?

Im Rahmen unseres Interreg-geförderten Elbauenprojekts führen wir regelmäßige Pflegeeinsätze durch, um die wertvollen Weichholzauenwälder zu erhalten und heimische Arten zu fördern. Dabei gehen wir auch gegen den invasiven Eschen-Ahorn vor und ringeln die Bäume. In den folgenden Schutzgebieten im Raum Dresden waren wir bisher aktiv:

  • Elblache Stetzsch - Naturschutzgebiet und FFH-Gebiet mit wertvollem Weichholzauenwald
  • FND Birkwitzer Graben bei Pirna - 5 Hektar großes Flächennaturdenkmal, Teil des Vogelschutzgebietes "Elbtal zwischen Schöna und Mühlberg"
  • Dresden-Leuben - Auenbereiche im Elbaltarm

 

Aus der Praxis: Was wir gelernt haben

Knospenbestimmung im Winter

Im laubarmen Winter ist die Unterscheidung von Eschen-Ahorn und heimischer Esche, Spitzahorn und Eiche eine Herausforderung. Unsere Freiwilligen lernen bei jedem Einsatz die sichere Bestimmung der Baumarten anhand von Knospen, Jungtrieben und der Rinde.

Beste Zeit für Ringel-Aktionen

Die Vegetationsruhe von Oktober bis Februar ist ideal. In dieser Zeit ist die Wirkung am besten und die Gefahr von Wurzelaustrieben am geringsten.

Herausforderung: Die Fläche im Sommer

Was im Winter gut begehbar ist, verwandelt sich in der Vegetationsperiode in ein dichtes Dickicht: Brennnessel und Drüsiges Springkraut können bis zu 3 Meter hoch wachsen und das Auffinden bereits markierter Bäume erheblich erschweren. Eine sorgfältige Kartierung im Winter zahlt sich hier aus - ohne sie wäre das Wiederfinden der Bäume im Sommer kaum möglich gewesen.

Stockausschläge als Warnzeichen

Bei der Nachbearbeitung teilgeringelter Bäume zeigten sich an vielen Stämmen unterhalb der Ringelstelle einzelne Ausschläge. Diese sind ein Anzeichen dafür, dass der Baum bereits geschwächt ist und versucht, über neue Triebe an der Krone vorbei Nährstoffe zu mobilisieren. Wir entfernen diese Ausschläge konsequent, um den Schwächungsprozess nicht zu unterbrechen.

Der Vergleich: Ringeln vs. Fällen

Wie deutlich der Unterschied zwischen beiden Methoden ausfallen kann, zeigte sich bei der ersten Nachkontrolle Anfang Juli an einem Eschen-Ahorn direkt am Elbradweg, der aus Verkehrssicherungsgründen gefällt werden musste: Der Stumpf trieb extrem stark aus – dicht, bis zu 2 m hoch und einmal komplett um den Stumpf umlaufend am äußeren Rindenbereich. Im Gegensatz dazu zeigten die teilgeringelten Bäume in der Fläche kaum bis keine solchen Massenaustriebe.

Eine zweite Nachkontrolle Ende August bestätigte dieses Bild: Der gleiche gefällte Baum trieb erneut ringförmig um den gesamten Stammfuß herum aus und erreichte erneut nach nur zwei Monaten eine Wuchshöhe von bis zu 1,0 m. Die anderen geringelten Bäume dagegen zeigten im direkten Vergleich durchweg nur geringen Stockausschlag. Dieser Unterschied bestätigt den in der Fachliteratur beschriebenen Wirkmechanismus: Durch den allmählichen, über Monate andauernden Nährstoff- und Wasserentzug wird die für Stockausschlag nötige Mobilisierung von Reservestoffen aus dem Wurzelsystem deutlich reduziert, während ein plötzliches Fällen oder vollständiges Ringeln in einem Schritt genau diese Reaktion provoziert.

Kronenvitalität: Systematische Erfassung nach der Roloff-Skala

Um die Wirkung der Ringelung nicht nur optisch, sondern nachvollziehbar und vergleichbar zu dokumentieren, haben wir beim zweiten Kontrolltermin die Kronenvitalität mehrerer geringelter Bäume nach der Roloff-Skala erfasst. Diese Methode bewertet den Vitalitätszustand eines Baumes visuell anhand der Kronenarchitektur - insbesondere Verzweigungsdichte, Feinreisiganteil und Kronentransparenz – auf einer Skala von VS 0 (voll vital) bis VS 4 (abgestorben), mit den Zwischenstufen 1 (Vitalitätsverlust/Resignation), 2 (Stagnation) und 3 (Resignation, starker Rückgang).

Die von uns kontrollierten, teilgeringelten Bäume zeigten Werte zwischen VS 1 (Resignation) und VS 1,5–2 (Stagnation), erkennbar an sichtbarer Kronenverlichtung sowie gelblicher Verfärbung und vorzeitigem Verlust der Belaubung. Diese Werte liegen im erwarteten Bereich für Bäume, die sich mehrere Monate bis wenige Jahre nach der Ringelung befinden, und bestätigen den allmählichen, kontrollierten Vitalitätsverlust, den die Methode anstrebt.

Beobachtung: Erhöhte Fruchtbildung als Stressreaktion ("Notfruchtung")

Eine weitere Beobachtung bei mehreren bereits deutlich geschwächten, geringelten Bäumen war ein auffällig hoher Fruchtstand. Dieses als Stressfruktifikation oder "Notfruchtung" bezeichnete Phänomen, tritt bei vielen Baumarten unter existenzieller Bedrohung auf: Der Baum investiert kurz vor dem Absterben verstärkt in generative Reproduktion, um den eigenen Fortbestand über Nachkommen zu sichern, bevor die Ressourcen vollständig erschöpft sind.

Wie wir vorgehen: Ringeln mit "Restbrücke"

Freiwilliger ringelt mit einer Ringelkette einen Eschen-Ahorn im verschneiten Elbaltarm Leuben Teilringelung eines Eschen-Ahorns mit Ringelkette im verschneiten Elbaltarm Leuben. Foto: Victor Geißler

Wir folgen der detaillierten Anleitung der Bundesanstalt für Gewässerkunde: Arbeitsblatt Ringeln invasiver gebietsfremder Bäume mit „Restbrücke“

Beim Teil-Ringeln (Oktober-Februar) wird ein handbreiter horizontaler Streifen in 30-80 cm Höhe bis ins Hartholz geschnitten, dabei bleibt ein senkrechter Verbindungssteg (ca. 1/10 des Stammumfangs) als "temporäre Restbrücke" erhalten. Diese wird erst im darauffolgenden Sommer durchtrennt.

Warum diese Methode?

  • Durch den allmählichen Nährstoff- und Wasserentzug werden Wurzelaustriebe weitgehend vermieden
  • Der Baum stirbt langsam ab und kann als stehendes Totholz Lebensraum für Vögel, Insekten und Pilze bieten
  • Schonend für den Standort: Raum und Licht entsteht für typische Auenarten ohne große Freiflächen zu schaffen

Unsere Eschen-Ahorn Einsätze

Unsere Einsätze 2025/2026

November 2025 - Elblache Stetzsch
18 engagierte Freiwillige ringelten Eschen-Ahörner im Weichholzauenwald. Eine besondere Herausforderung war die winterliche Pflanzenbestimmung anhand von Knospenmerkmalen, um Eschen-Ahorn von heimischen Eschen zu unterscheiden.
→ Zum ausführlichen Bericht

Dezember 2025 - FND Birkwitzer Graben
7 Projektmitarbeitende und Freiwillige pflanzten 7 Schwarzpappeln und ringelten 4 invasive Eschen-Ahorne.
→ Zum ausführlichen Bericht

Januar 2026 - Elbaltarm Dresden-Leuben
17 Aktive trotzen Schnee und Minusgraden und haben im Eltalbarm Eschen-Ahorne geringelt und eine Benjeshecke angelegt.
→ Zum ausführlichen Bericht

Januar 2026 - Elbaltarm Dresden-Leuben
20 Freiwillige packen im Elbaltarm Leuben gemeinsam für mehr Artenvielfalt in den Elbauen an.
→ Zum ausführlichen Bericht

Juli 2026 - Elblache Stetzsch
3 Projektmitarbeitende sind zur Nachkontrolle im Sommer-Dschungel der Elblache
→ Zum ausführlichen Bericht

Anleitung: Ringeln invasiver Baumarten mit "Restbrücke"

Beim Teil-Ringeln (Oktober-Februar) wird ein handbreiter horizontaler Streifen in 30-80 cm Höhe bis ins Hartholz geschnitten, dabei bleibt ein senkrechter Verbindungssteg (ca. 1/10 des Stammumfangs) als "temporäre Restbrücke" erhalten. Diese wird erst im darauffolgenden Sommer durchtrennt.

Durch den allmählichen Nährstoff- und Wasserentzug werden Wurzelaustriebe weitgehend vermieden, die beim normalen Fällen oder Ringeln sonst auftreten. Der Eschen-Ahorn wird bekämpft um die wertvollen und oft geschützten Weichholzauenwälder zu erhalten und die heimische Biodiversität zu schützen.

BUND-Bestellkorb