Elbespaziergang: Biber, Auen und ein Fluss unter Druck

27. April 2026

Bei strahlendem Frühlingswetter und 105 cm Elbpegel: Naturschutz, Flussgeschichte und Umweltpolitik hautnah bei unserem Elbespaziergang zum Tag der Erde

Bei strahlendem Frühlingswetter und blauem Himmel fand am 22. April unser Elbespaziergang am Kleinzschachwitzer Ufer statt. Die Elbe zeigte dabei eindrucksvoll, worum es an diesem Abend gehen sollte: Mit einem Pegel von nur 105 cm in Dresden lag sie bereits zu Beginn der Vegetationsperiode auf einem besorgniserregend niedrigen Stand.

Dresden, die Elbe und ihre Geschichte

Den Auftakt machte der Blick auf Schloss Pillnitz und die Elbinsel – eine der schönsten Aussichten entlang der Route. Von hier aus ließen sich Geschichte und Gegenwart des Flusses gut zusammendenken: Wie Dresden als Stadt an der Elbe entstand, wie der Fluss seit dem Wiener Kongress systematisch begradigt und eingetieft wurde, und welche Folgen die Sohlenerosion bis heute hat – für die Aue, für den Grundwasserspiegel und letztlich für das Dresdner Trinkwasser, das zu großen Teilen aus Uferfiltrat gewonnen wird. 

Die Pillnitzer Elbinsel selbst, eine der letzten zwei Elbinseln auf Dresdner Stadtgebiet, durften wir nur von außen betrachten, denn das Betretungsverbot schützt hier unter anderem große Vogelkolonien.

Was Auen leisten – und warum wir sie brauchen

An der oberen Inselspitze, wo der Durchfluss um die Insel erst kürzlich wieder freigebaggert wurde, erklärten wir, was eine Aue eigentlich ist: ein durch den Wechsel von Überflutung und Trockenfallen geprägter Lebensraum, dessen Artenvielfalt genau aus dieser Dynamik entsteht. Anhand einer Karte der verbliebenen Auenflächen zwischen Ústí nad Labem und Riesa wurde sichtbar, wie wertvoll der Dresdner Auenbereich im Maßstab der gesamten Elbe ist – und wie wenig von der ursprünglichen Auenlandschaft noch übrig ist. Historische Überlieferungen aus dem Raum Riesa berichten von einer Elbe mit bis zu 14 km Breite und dutzenden Seitenarmen. Was wir heute sehen, ist ein kleiner Rest davon.

Auch die Stachelgurke – ein nordamerikanischer Neophyt, der sich entlang der Elbufer ausbreitet – war hier gut zu finden. Wir berichteten aus der laufenden Bekämpfungsarbeit im Rahmen unseres Interreg-Elbauenprojekts.

Ein Fluss unter Druck: Schifffahrt, Niedrigwasser und Staustufen

Auf dem historischen Treidelpfad, den einst Pferde nutzten um Kähne flussaufwärts zu ziehen, erreichten wir die alte Fährstelle zwischen Zschieren und Poyritz. Hier stand die Elbe als Wirtschaftsraum im Mittelpunkt: der Sandsteinhandel aus der Sächsischen Schweiz, die Geschichte der Elbschifffahrt – und ihr heutiger Zustand. Seit Anfang 2025 verzeichnet die Elbe fast durchgehend Niedrigwasser, reguläre Frachtschifffahrt ist kaum noch möglich. Dennoch fließen weiterhin Millionen in die Instandhaltung der Fahrrinne – Maßnahmen, die nach Überzeugung des BUND die Sohlenerosion weiter verschärfen, ohne einen wirtschaftlichen Nutzen zu bringen. Hinzu kommt der Plan einer Staustufe bei Děčín sowie Überlegungen zu einem Elbe-Spree-Überleiter – beides Vorhaben, die den Wasserhaushalt der Elbe weiter unter Druck setzen würden.

Biberspuren und ein echtes Erfolgsbeispiel

Den Abschluss bildete die Elblache Zschieren – eine im Rahmen des Baus der Waldschlösschenbrücke renaturierte Flachwasserzone, heute ein blühender Lebensraum. Unterwegs hatten wir bereits zahlreiche Biberspuren entdeckt: viele abgenagte Stöcke und – als besonderes Highlight – eine frisch gefällte Weide mit noch hellen Schnittflächen. An der Lache selbst ist mittlerweile eine feste Biberburg nachgewiesen. Dass die Renaturierung hier trotz hochbelasteten DDR-zeitlichen Elbschlamms, der vollständig deponiert werden musste, so gut gelungen ist, macht die Elblache zu einem echten Vorzeigebeispiel.

Bei Infomaterialien, einem kleinen Elbauenquiz und Fragen und Antworten klang der Abend aus – mit blauem Himmel bis zuletzt.

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